Zwischen den Jahren

Wünschelrute

Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.

(Joseph von Eichendorff, Wünschelrute, erschienen 1838 im Deutschen Musenalmanach, aus: Gesammelte Werke. Band 1: Gedichte, Nachlese, Die Feier, 1962, Artikel Wikipedia, Online-Quelle)

Regen weit und breit

Da draußen regnet es weit und breit.
Es regnet graugraue Verlassenheit.
Es plaudern tausend flüsternde Zungen.
Es regnet tausend Erinnerungen.
Der Regen Geschichten ums Fenster rauscht.
Die Seele gern dem Regen lauscht.

Der Regen hält dich im Haus gefangen.
Die Seele ist hinter ihm hergegangen.
Die Insichgekehrte ist still erwacht,
Im Regen sie weiteste Wege macht.
Du sitzt mit stummem Gesicht am Fenster,
Empfängst den Besuch der Regengespenster.

(Max Dauthendey, Regen weit und breit, aus: Gesammelte Werke, Bd. 2 „Aus fernen Ländern“, S. 588/589, Albert Langen, München 1925)

Die Nicht-Gewesenen.

Über ein Glück, das du flüchtig besessen,
Tröstet Erinnern, tröstet Vergessen,
Tröstet die alles heilende Zeit.
Aber die Träume, die nie errung’nen,
Nie vergeß’nen und nie bezwung’nen,
Nimmer verläßt dich ihr sehnendes Leid.

(Isolde Kurz, Die Nicht-Gewesenen., aus: Gedichte, 1888, Online-Quelle)

Aus tausend Quellen quillt die Nacht

Aus tausend Quellen quillt die Nacht
Und übernimmt den Himmel unsrer Träume.
Da ist ein Licht noch – dort noch Bäume,
Dann nichts mehr. Sintflut. Nur noch Nacht.

Aus Ozeanen ohne Licht erheben sich Gedanken,
Wie Meerestiere schwimmen unsre Träume
Mit schweren Flossen durch die Finsternis der Räume
Und kreisen um die Hoffnungsschiffe, die versanken.

(Guido Zernatto, Aus tausend Quellen quillt die Nacht, entstanden 1942 in New York, aus: Die Sonnenuhr, Gesamtausgabe 1961, Online-Quelle)

 

Quelle: Pixabay

 

Ausnahmsweise gibt es zwischen den Jahren mal Lieblingsgedichte. Manche werdet ihr vielleicht kennen, andere nicht.

Genießt die hoffentlich ruhigen Tage und rutscht gut rüber, falls wir uns vorher nicht mehr lesen sollten!

 

Regen weit und breit

Da draußen regnet es weit und breit.
Es regnet graugraue Verlassenheit.
Es plaudern tausend flüsternde Zungen.
Es regnet tausend Erinnerungen.
Der Regen Geschichten ums Fenster rauscht.
Die Seele gern dem Regen lauscht.

Der Regen hält dich im Haus gefangen.
Die Seele ist hinter ihm hergegangen.
Die Insichgekehrte ist still erwacht,
Im Regen sie weiteste Wege macht.
Du sitzt mit stummem Gesicht am Fenster,
Empfängst den Besuch der Regengespenster.

(Max Dauthendey, Regen weit und breit, aus: Gesammelte Werke, Bd. 2 „Aus fernen Ländern“, S. 588/589, Albert Langen, München 1925)

 

Was habe ich euch die Ohren vollgeheult mit „meinem“ Regengedicht des Herrn Maximilian (Max) Dauthendey und dessen online nicht vorhandener Quelle! Gut, ich habe dadurch einen Dichter für mich entdeckt, und zwar wesentlich tiefer, als ich es sonst getan hätte, das gebe ich gern zu und darüber bin ich froh. Um so mehr freut es mich jetzt, dass mir gestern Bernd (redskiesoverparadise.wordpress.com, der wohl einfach klüger gesucht hat als ich) den Tipp zukommen ließ, wo es steht: in den Gesammelten Werken (was ich annahm/hoffte), in den Tagebüchern (was ich inzwischen, nachdem ich den Gedichtband durchgeschaut hatte, ebenfalls annahm/hoffte, aber nicht wusste, wie die hießen, geschweige denn, dass selbige online als Text zu finden gewesen wären, nein, so einfach ist das mit dem Dauthendey dann doch wieder nicht).

Gesagt, getan, ich bat also meine großartige Freundin, die in einer Universitätsbibliothek arbeitet, die eine Ausgabe der „Gesammelten Werke“ besitzt, um Mithilfe, und schon nachmittags hatte ich einen Scan der fraglichen Seiten in der Mail. Yes! Strike!

 

Dauthendey Regen weit und breit | 365tageasatzadayDas Zusammenschnipseln habe ich besorgt, das Gedicht geht tatsächlich über einen Seitenumbruch. Hach, ich bin so glücklich! Vielen, vielen Dank euch beiden!!!

Und da der Herr Max Dauthendey so einige bemerkenswert schöne Regengedichte verfasst hat (wie ich finde), und da er HEUTE seinen 150. Geburtstag feiern würde (hier ist ein sehr lesenswerter Link zu seinem Wikipedia-Eintrag) und es hier (und wohl auch bei einigen von euch) regnet, hier ein weiteres Regengedicht.

 

Der Regen wandert über den Fluß

Der Regen wandert über den Fluß
Und Wasser durchs Wasser waten muß.
Es ist als schwimmen die Ufer fort,
So triefend stehen die Berge dort.
Und Regen und Fluß durchs Land hingehen
Und können ihr eigenes Ende nicht sehen.
So wanderten Sehnsucht und Blut oft zusammen
Und alle Ufer überschwammen.

(Max Dauthendey, Der Regen wandert über den Fluß, aus: Insichversunkene Lieder im Laub, Quelle)

 

Quelle: ichmeinerselbstvollStolz

 

Merken

Merken

Merken