Ein gelungener Abend | abc.etüden

 

„Also, weißt du, wenn ich es mir recht überlege, würde ich dich gerne mal fragen …“

Verdammt, dachte John, erfahrungsgemäß drohte nach dieser Einleitung eine der von ihm so bezeichneten unverzeihlichen Fragen, und davon wollte er jetzt keine beantworten – oder erst recht keiner ausweichen müssen. Der Nachmittag war bisher so schön verlaufen, aus dem lockeren Geplänkel auf dem großen Balkon der WG war ebendort ein entspanntes Gespräch unter vier Augen an einem etwas schwül-warmen Abend entstanden, und auch die alkoholischen Getränke, an denen er natürlich nur pro forma genippt hatte, hatten die Stimmung höchstens so weit gehoben, dass Sara übermütig geworden war.

„Verrate mir doch mal, was Vampire eigentlich mit Fledermäusen zu tun haben.“

Nun, diese Frage konnte er beantworten, allerdings etwas anders, als sie erwartete. Vor ihren erstaunten Augen schien er zu verblassen, und obwohl sie sich Mühe gab, ihn nicht aus den Augen zu verlieren, wurde er durchsichtiger und durchsichtiger … bis es ihr plötzlich schien, als schieße eine Fledermaus über sie hinweg auf die andere Seite des Balkons, der sie ungläubig nachsah.

„Nichts“, erklang Johns dunkle Stimme neben ihr, und sie fuhr wieder herum, wo er saß und sich scheinbar nicht gerührt hatte, „nichts haben wir mit denen zu tun außer in den Augen der Menschen, die uns und denen Dämonisches anhängen wollen, zum Beispiel eine Fähigkeit, sich unsichtbar zu machen. Was völliger Blödsinn ist, übrigens, das funktioniert ganz anders.“

Sara starrte ihn fasziniert an. „Oh, bitte“, keuchte sie, kein bisschen eingeschüchtert, „mach das noch mal, ja?“, und John begann zu grinsen.

 

2018_28_2_zwei lz | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Für die abc.etüden, Woche 28.2018: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Natalie aus dem Fundevogelnest und lauten: Fledermaus, schwül, verraten.

Erinnert sich noch jemand an meine Vampir-WG aus den Generator-Zeiten von und mit Jutta Reichelt? Ja, die gibt es noch, und Vampire haben ja eh viel Zeit …

Schön, zugegeben, 10 Sätze sind WIRKLICH zu wenig.

 

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Schreibeinladung für die Textwoche 28.18 | Wortspende von fundevogelnest

Nachdem die Etüden der vergangenen Textwoche, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, zum Teil sehr politische, gesellschaftskritische und dystopische Inhalte hatten, kommen wir mit den Wörtern für die nun folgende Textwoche 28.18 wieder in sprachlich ruhigeres Fahrwasser. Die Wortspende stammt dieses Mal erneut von Natalie aus dem Fundevogelnest (fundevogelnest.wordpress.com), ein Blog für Geschichten mit einem gewissen Zauber, dem ich mich nicht entziehen kann und will. Ihre Wörter lauten:

Fledermaus
schwül
verraten.

 

Ankündigung: Das Etüdensommerpausenintermezzo tobt ab Anfang August los und geht bis Anfang September. Soll heißen, ich habe noch für die Wochen 28 (diese), 29 und 30 Wörter, und dann, ja dann … ich melde mich rechtzeitig vorher, denn NATÜRLICH brauche ich eure Hilfe! Wer nachlesen will, was wir letztes Jahr in selbigem getrieben haben, kann das HIER tun.
Etüden-Disclaimer: Nach wie vor gilt, dass diese 3 Wörter bitte in maximal! 10! Sätzen unterzubringen sind. Wie gewohnt stammen die Illustrationen von dem werten Herrn lz., vielen Dank, Ludwig!
Euren Beitrag verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder (am besten „und“) postet den Link unten in einen Kommentar (oder gleich die ganze Etüde, wenn ihr keinen Blog habt oder es bei euch nicht passt), damit eure Etüde auch ganz sicher von Natalie und mir und von allen, die es interessiert, gefunden werden kann.

 

2018_28_1_eins lz | 365tageasatzaday

 

2018_28_2_zwei lz | 365tageasatzaday

 

Versiegelt | abc.etüden

Sie sah auf den Handzettel, den ihr die junge Frau am Ausgang der U-Bahn routiniert in die Hand gedrückt hatte: Parkettversiegelung. Was für ein Mist, wen kümmerte so was schon, es war doch egal, alles war egal, seit … ja, seit.

Jeder Tod kommt immer zu früh.

Ihr ganzes Leben war seitdem versiegelt, das war ein gutes Wort dafür. Sie hatte nicht mehr weinen wollen, hatte den Kummer nicht ausgehalten, da waren das Lachen und alle anderen Gefühle gleich mit auf der Strecke geblieben.

Wie jeden Tag bog sie auf ihrem Heimweg auf den sonnenbeschienenen Weg durch den Park ab und sah es plötzlich zum ersten Mal in diesem Jahr durch die Luft torkeln und flattern. Rötlich braun, das war doch … ein Pfauenauge, ein Kleiner Fuchs, ein Admiral … und die, die sie einst die Namen der Schmetterlinge gelehrt hatte, die konnte sie nun nicht mehr fragen.

Sie stockte, als der Schmerz brüllend mit Messern auf sie einstach, aber sie nahm ihn hin, akzeptierte, wie verlassen und klein sie sich fühlte, gestattete sich eine Träne und fühlte sich in ihrer Trauer von der Sonnenwärme umarmt und gehalten.

Aus ihrem in sich gekehrten Dahinhasten war ein schon fast gemütliches Schlendern geworden. Und zu Hause würde sie ausprobieren, ob dieser Handzettel Papierfliegerqualitäten aufwies.

 

2018_11_1_eins lz | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Für die abc.etüden, Woche 11.2018: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Natalie aus dem Fundevogelnest und lauten: Pfauenauge, versiegelt, schlendern.

Und vielleicht, wer es noch kennt, so als Lied für den Tag …  ;-)

 

 

 

Schreibeinladung für die Textwoche 11.18 | Wortspende von fundevogelnest

Nicht nur ihre Etüden, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, sondern auch die für die kommende Woche gespendeten Wörter haben für mich etwas Besonderes, ja, oft etwas Glänzendes, Herzwarmes – ich kann es nicht besser beschreiben. Auf jeden Fall sind diese Worte wieder etwas kniffliger zu einer Geschichte zusammenzufügen, denke ich, aber wir werden das schon schaffen …

Vorhang auf für die Wörter der Textwoche 11.18, gestiftet von Natalie aus dem Fundevogelnest (fundevogelnest.wordpress.com), die da lauten:

Pfauenauge
versiegelt
schlendern.

Das Kleingedruckte bleibt wie immer gleich: Diese 3 Wörter sind in maximal! 10! Sätzen unterzubringen, wie immer stammen die Illus aus der Kamera/Feder des werten Herrn lz., vielen Dank, Ludwig!
Euren Beitrag verlinkt ihr dann bitte wie gewohnt hierhin und/oder (am besten „und“) postet den Link unten in einen Kommentar (oder gleich die ganze Etüde, wenn ihr keinen Blog habt oder es bei euch nicht passt), damit eure Etüde auch ganz sicher von Natalie und mir und von allen, die es interessiert, gefunden werden kann.

 

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2018_11_2_zwei lz | 365tageasatzaday