Traumschiff | abc.etüden

Früher hatte sie sich gern vorgestellt, wie es wäre, beim Käpt’ns Dinner am Arm von Sascha Hehn oder auch Siegfried Rauch den Speisesaal zu betreten. Top gekleidet und gestylt, mit High Heels, auf denen sie natürlich nicht wie ein Storch im Salat stelzen würde, liebreizend und witzig, eine Freude für alle, die sich mit ihr unterhalten wollten, selbstverständlich viele an der Zahl …

Sie seufzte kurz auf.
„Ist Ihnen nicht gut?“, erklang sofort eine besorgte Stimme neben ihr. „Wollen wir aufbrechen?“
„Nein, nein“, wehrte sie ab und ruckelte ein bisschen auf der Bank herum, „alles in Ordnung.“

Ihr Rücken tat weh. Ihre Füße taten weh. Wenn sie ehrlich war, sah sie erheblich weniger, als sie zugab, und den leicht rutschigen Weg hierher hatte ihre Begleiterin, wie hieß sie gleich, Gabriele, Karin, Olga, eben „gemeingefährlich“ genannt. Gefährlich, pah – aber sie war wirklich nicht mehr die Jüngste.

Heute roch der Fluss anders und die Geräusche klangen nicht so wie sonst, sondern dumpfer, irgendwie wattiger. Wie sie ihre Bank liebte, an der die großen Schiffe vorbeifuhren und manchmal tuteten. Nur deshalb kam sie jeden Tag hierher, saß ein wenig da und hing ihren Träumen nach. Träume, die sie nie jemandem erzählt hatte, weil man das nicht tat.
Ihre einzige Kreuzfahrt fiel ihr ein, damals, mit dem angehimmelten Mann, der sie beeindrucken wollte. Das war ihm leider gelungen. Der Luxus hatte sie geblendet und sie auch vergessen lassen, dass auf Versprechen Taten folgen mussten.

„Gehen wir“, sagte sie abrupt und stand auf, „ich mag den Nebel heute nicht.“

Gabriele deckte ihre Schutzbefohlene mit einer Decke zu, weil die sich vor dem Abendessen noch ein wenig hinlegen wollte. Was hatte sie bloß mit „Nebel“ gemeint? Den ganzen Tag war es klar und sonnig gewesen. Sie hörte die alte Frau tief durchatmen. Dann war es still.

300 Wörter

 

2018 39+40 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Woche 39/40.2018: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Anna-Lena und lauten: Kreuzfahrt, gemeingefährlich, stelzen.

 

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Gewissensentscheidung | abc.etüden

„Das kann nicht euer Ernst sein, da ertrinken jeden Tag unschuldige Menschen – und ihr wollt auf eine Kreuzfahrt? Im verdammten Mittelmeer? Echt jetzt? Ohne mich! Sagt, dass das nicht wahr ist!“

Zwecklos, zu erklären, dass das Mittelmeer größer war als nur jene Strecke, die als Fluchtroute unrühmliche Bekanntheit erlangt hatte. Mittelmeer stand neuerdings für sinnloses Leid ohne Grenzen.

„Willst du vielleicht die ganze Zeit beten, dass euch keine Boote mit Geflüchteten vor den Bug kommen, höchstens nachts, damit ihr weiter schön alles ignorieren könnt, was euch nicht in den Kram passt, und nicht sehen müsst, wie ein Haufen Neger absäuft? Weil das Schiff nämlich vermutlich gar nicht stoppen und helfen darf, weil es sonst in Teufels Küche kommt, gibt ja Beispiele genug? Und damit meine ich nicht, dass die euch die Restaurants leerfressen könnten! Aktion Seebrücke, unterlassene Hilfeleistung, nur um ein paar Stichworte zu nennen? Mama, ich hätte ein bisschen mehr politisches Bewusstsein von dir erwartet. Oder wenigstens Konsequenz.“

Ruhig bleiben. Wenn sich die Tochter politisch unkorrekt ausdrückte, wollte sie provozieren. Kannte man inzwischen.

„Aber nee, lieber all-inclusive jeden Tag am Pool liegen, auf dem Deck Tennis spielen und abends angeschickert aus einer der Bars in die Kabine stelzen. Und immer schön das Image und die Cellulite pflegen. Wir haben’s ja. Nötig! Ich nenne das gemeingefährliche Dummheit.
Mama, ich bitte dich, wenn du dich schon nicht engagieren willst, dann unterstütz diese Ignoranz nicht auch noch.“

Ein vernichtender Blick vor dem theatralischen Abgang.

„DENKT DOCH MAL NACH! Ein einziges Mal!“

Es hatte sich längst schon abgezeichnet, dass das rebellische Kind bald eigene Wege gehen würde. Sie hatten ein letztes Mal gemeinsam verreisen wollen und hätten ihr gern etwas Besonderes geboten. Ganz so dicke hatten sie es nicht, finanziell gesehen, und sie liebten das Meer im Süden. Alle drei. Eigentlich.

Sie verzichteten.

300 Wörter

 

2018 39+40 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung: ichmeinerselbst

 

Für die abc.etüden, Woche 39/40.2018: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Anna-Lena und lauten: Kreuzfahrt, gemeingefährlich, stelzen.

Das ist die Sache mit dem ersten Gedanken. Ich habe ihn einfach nicht mehr aus dem Kopf bekommen: Wie kann man dort jetzt Urlaub machen, wo andere sterben? Und was sagt das über uns (als Gesellschaft/jeden Einzelnen) aus, diese Tatsache zu ignorieren? So einseitig wie diese Sicht auch sein mag, diese Etüde musste geschrieben werden. Ich habe keine Antworten.

 

Schreibeinladung für die Textwochen 39.40.18 | Wortspende von visitenkartemyblog

Na, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, war das nicht ein gelungener Auftakt zu den Etüden im neuen Gewand? Vielen Dank für die freundlichen Rückmeldungen, ich bin so glücklich, dass ihr alle dabei seid – und, äh, zwei Wochen = zwei Etüden? Hmmmmmmmmm?
Erzählt es ruhig weiter, ich/die Etüden-Verrückten freue/n mich/sich über jede und jeden Schreiber*in, der/die Lust hat, sich von den Etüden herausfordern zu lassen. Und nicht zu vergessen die Wiedereinsteiger bzw. die, die überlegen, ob sie sollen/wollen. Macht doch, 300 Wörter fühlen sich ganz anders an als 10 Sätze! Myriade und ich haben uns (zum Beispiel) sogar von den reinen Geschichten zu Betrachtungen hinbewegt, auch das ein spannendes neues Feld, und unser Running Gag, Anton, Frau Flumsels Zombiekatze, ist auch wieder unter den, äh, Lebenden *hust*.

Hier kommt eine kurze Übersicht derer, die in den letzten beiden Wochen mitgemacht haben. Ich habe (hoffentlich) alles drin, was bis zum Erscheinen dieses Beitrags aufgelaufen ist.

dergl auf Die Tinterkleckse sehen aus wie Vögel: hier
Jaelle Katz auf Jaellekatz: hier
Berta auf Zuhause im Drei-Kronen-Land Schweden: hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier und hier
Yvonne auf umgeBUCHt: hier
Viola auf viola-et-cetera: hier
Bernd auf Red Skies over Paradise: hier
Werner Kastens hier in den Kommentaren: hier, hier und hier
Frau Flumsel auf Wortgeflumselkritzelkram: hier und hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier und hier
Natalie im Fundevogelnest: hier
Frau Vro auf vro jongliert: hier
Anne Seltmann auf Wortperlen: hier
Anna-Lena auf Meine literarische Visitenkarte: hier und hier
Gerda auf GERDA KAZAKOU: hier und hier
Isabel auf Wortverzauberte: hier

15 Leute (plus ich) haben insgesamt 23 Etüden geschrieben! Vielen Dank dafür!
Und jeeeeeeetzt *TUSCH* *TROMMELWIRBEL*:

Die Wörter für die Textwochen 39 und 40 des Jahres 2018 stammen aus der Feder von Anna-Lena von Meine literarische Visitenkarte und lauten:

Kreuzfahrt
gemeingefährlich
stelzen.

 

UPDATE: Ich bin so blöde, verdammt! dergl, Entschuldigung, ich habe es echt schon wieder vergessen, dass du mit WASSER-Wörtern eigentlich nicht kannst. Wenn es bei „Kreuzfahrt“ wieder zuschlägt, würdest du dir bitte ein Wort aus dem Umfeld suchen, gern auch irgendwas mit der Seebrücke, das du stattdessen verwenden kannst? Ich könnte mich echt schlagen. Tut mir leid.

Neuer Etüden-Disclaimer: Die neue Headline heißt: 3 Begriffe in maximal! 300 Wörtern.
Wenn jemand nicht weiß, wie er/sie die Wörter gezählt bekommt, bitte melden!
Euren Beitrag verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin (immerhin, das ist geblieben) und/oder (am besten „und“) postet den Link unten in einen Kommentar (oder gleich die ganze Etüde, wenn ihr keinen Blog habt oder es bei euch nicht passt), damit eure Etüde auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gefunden werden kann.
Die Illustrationen unterliegen meinem Copyright und ich behalte mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig.

Oh, und die nächsten Wörter gibt es am 7. Oktober. Euch viel Spaß und zwei inspirierte Wochen!

 

2018 39+40 | 365tageasatzaday

 

2018 39+40 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, hier und hier, Bearbeitung von mir

 

Schreibeinladung für die Textwoche 17.18 | Wortspende von visitenkartemyblog

Nach einer wunderbar sonnigen, fast schon sommerartigen Woche, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, die sich ganz eindeutig auf den „Publikumsverkehr“ auf den Blogs niedergeschlagen hat (oder war es bei euch nicht so? Ich jedenfalls war auch weniger im Blogland unterwegs), folgt hier die nächste Runde Wörter für die Textwoche 17.18. Hier bei mir haben wir schon gespottet, dass wir hoffen, dass das nicht alles war, was wir vom Sommer zu sehen bekämen, Hamburg ist in den letzten beiden Jahren nicht gerade verwöhnt worden, was Wärme betraf, verglichen mit anderen Regionen.

Für diese Woche hat Anna-Lena mit ihrem Blog visitenkartemyblog.wordpress.com unsere neuen Wörter gestiftet, und natürlich brodeln ihre Wörter schon in meinem Hirn, wie ich sie in meine kleine fiese Bürogeschichte einbauen kann … hier sind sie, sie lauten:

Milchmädchenrechnung (Wikipediaerklärung, kannte das eigentlich jemand nicht?)
dingfest
untertreiben.

Wie immer bin ich total gespannt, was euch dazu einfällt. Wie immer, ihr wisst: Diese 3 Wörter bitte in maximal! 10! Sätzen unterbringen! Wie immer stammen die Illustrationen von dem werten Herrn lz., vielen Dank, Ludwig!
Euren Beitrag verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder (am besten „und“) postet den Link unten in einen Kommentar (oder gleich die ganze Etüde, wenn ihr keinen Blog habt oder es bei euch nicht passt), damit eure Etüde auch ganz sicher von Anna-Lena und mir und von allen, die es interessiert, gefunden werden kann.

 

2018_17_1_eins lz | 365tageasatzaday

 

2018_17_2_zwei lz | 365tageasatzaday

 

Verkehrsberuhigte Zone | abc.etüden

Früher war sie das gewesen, was ihre Mutter einen „flotten Feger“ genannt hatte, und wenn sie sich daran erinnerte, wie flott, dann war sie ziemlich glücklich, dass ihre Mutter nicht alles gewusst hatte. Immerhin hatte ihr das vor 35 Jahren unter anderem den gewünschten Ehemann beschert; bis dass der Tod euch scheidet, ihnen war es immer ernst damit gewesen.

Also waren sie gemeinsam älter geworden, hatten das Leben gemeistert, wie es so schön hieß, und die heißen Outfits der langen, knallvergnügten Nächte waren langsam Funktions- und sonstiger prosaischerer Wäsche gewichen. Die Unterhemden gingen bis über die Nieren und die Panties waren längst figurformend, sie kochte doch so gern, musste man ja nicht sofort sehen.

Er ging nicht fremd und sie hatte beim Aufräumen auch noch nie Playboy-Hefte oder ähnlichen Schwachsinn gefunden, aber außer bisschen Kuscheln lebten sie jetzt schon ziemlich lange wie Brüderchen und Schwesterchen miteinander, das war doch nicht normal, oder doch? Ihre Freundinnen behaupteten alle, froh zu sein, dass sie von ihren ehelichen Pflichten entbunden waren; sie glaubte ihnen nicht, denn sie war es nicht, sie verzichtete ungern und schon gar nicht auf Dauer. Sie hatte bereits überlegt, ob er vielleicht krank war, das gab’s ja, aber auch darüber hatte er nie ein Wort verloren, und sie wollte ihn mit Nachfragen auf keinen Fall verletzen.

Dass Männer aber auch immer alles mit sich selbst ausmachen mussten!

Aber egal, sie hatte sich vorgenommen, einen Weg aus der verkehrsberuhigten Zone zu finden. Und sie würde ihm nicht erlauben zurückzubleiben.

 

2018_06_1_eins lz | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Für die abc.etüden, Woche 06.2018: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Anna-Lena und lauten: Unterhemd, knallvergnügt, verzichten.

Dies ist eine eher lose Fortsetzung, vielleicht nicht mal Fortsetzung. Aber die dazugehörige andere Etüde ist diese hier.

 

Schreibeinladung für die Textwoche 06.18 | Wortspende von visitenkartemyblog

Die neuen Wörter, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, machen mir gute Laune, also hoffe ich, dass es euch ähnlich ergeht und sie eure Phantasie aufs Angenehmste beflügeln. Die gute Laune finde ich eigentlich höchst verwunderlich, habe ich mich doch in der verstrichenen Woche meistens lautstark darüber beklagt, dass ein gewisser Herr Husten nebst unerwünschten Anverwandten bei mir zu Gast ist und nicht aufbrechen möchte, was allerdings auch ein kurzer Aufenthalt wäre, nur eine Woche, wo kämen wir denn da hin?!
Bleibe ich also lieber entschlossen bei der guten Laune: Als erstes dachte ich an Ringelnatz, als zweites an Karneval. Meine Einstellungen zu beidem dürften bekannt sein und nicht weiter interessieren; also gebe ich den Ring frei für die Wörter der Textwoche 06.18, gestiftet von Anna-Lena von visitenkartemyblog.wordpress.com, welche lauten:

Unterhemd
knallvergnügt
verzichten.

Wie ihr wisst, gilt es, diese 3 Wörter in maximal! 10! Sätzen unterzubringen, und auch dieses Mal hat sie der werte Herr lz. in Szene gesetzt, vielen Dank, Ludwig!
Euren Beitrag verlinkt ihr dann bitte wie gewohnt hierhin und/oder (am besten „und“) postet den Link unten in einen Kommentar (oder gleich die ganze Etüde, wenn ihr keinen Blog habt oder es bei euch nicht passt), damit eure Etüde auch ganz sicher von Anna-Lena und mir und von allen, die es interessiert, gefunden werden kann.

Herumgefragt in eigener Sache: Auf meiner Etüden-Übersichtsseite gibt es seit Neuestem eine Galerie mit den alten Schreibeinladungen (mit freundlicher Erlaubnis des Herrn lz., klar, sind sie nicht toll?). Ich suche die vom Anfang, als er die noch gehostet hat. Hat noch jemand welche, die ich nicht habe? Ich habe damals zwar regelmäßig mitgeschrieben, aber meine Etüden nicht mit den Etüdenbildern bebildert, daher habe ich bloß ein paar auftreiben können, und Ludwig hat sie auch nicht mehr.

 

2018_06_1_eins lz | 365tageasatzaday

 

2018_06_2_zwei lz | 365tageasatzaday

 

Männergespräch | abc.etüden

Kaum war der Ballon butterweich und am vereinbarten Punkt gelandet, als Lukas auf seinen Vater losstürmte, der auch die Landung gefilmt und fotografiert hatte. Der umarmte ihn und gratulierte ihm und nahm ihn beiseite, um Stativ und Kameras ins Auto zu bringen, „bevor Mama kommt“, die sich tatsächlich noch mit einem Bekannten unterhielt und es gar nicht eilig hatte.

Er kam sofort zur Sache: „Ich wollte dir versuchen zu erklären, warum ich eben nicht mitgeflogen bin – ich hab Höhenangst. Als ich so alt war wie du, konnte ich wenigstens noch auf Bäume klettern, aber inzwischen wird mir richtig schlecht und schwindelig, wenn ich auch nur auf eine Leiter steige.“

Er verstummte abrupt und Lukas dachte nach, da ihm plötzlich klar wurde, warum sein Vater letztes Jahr auch nicht mit ihm Achterbahn gefahren war: „Warum hast du es mir nicht früher gesagt“, fragte er schließlich, „das ist doch wichtig?“

„Als deine Oma Kind war, ist sie auf der Flucht im Krieg beim Schwimmen fast ertrunken. Sie ist seitdem nie wieder einfach so im tiefen Wasser gewesen und fand das voll peinlich, weil sie es nicht geschafft hat; aber ich habe erst richtig schwimmen gelernt, als ich von zu Hause ausgezogen bin und nicht mehr das Gefühl haben musste, dass sie sich dann noch mehr für ihre Angst schämt, weil Schwimmen für mich nämlich so leicht und so toll war.
Verstehst du, dann habe ich gedacht, du sollst mal nicht so wie ich fremden Ängsten nachspüren müssen, nämlich meinen vor Höhe, du sollst das Ballonfahren einfach unbeeinflusst genießen können, denn du redest davon, seit du die Dinger am Himmel entdeckt hast; ich wollte dir diesen Kindheitstraum auf keinen Fall kaputtmachen und hab bis jetzt einfach die Klappe gehalten.“

Das war eine bittere, lange Geschichte in superkurzer Form heruntergehaspelt, und auch wenn er sich diese Sätze vorher zurechtgelegt hatte, war er sehr stolz auf sich und sehr erleichtert.
Sein Sohn schien die weitere Diskussion darüber allerdings glücklicherweise auf einen anderen Tag vertagen zu wollen, also legte er den Arm um ihn und sie gingen einträchtig Lukas’ Mutter entgegen.

 

lz abc.etueden schreibeinladung 1 visitenkartemyblog 30.17 | 365tageasatzadayVisuals: lz. (ludwigzeidler.de)

 

Ja, das ist die Fortsetzung von „Über Träume“, hier klicken, wer den ersten Teil nicht gelesen hat. Ich dachte, ich versuch es mal, aber so langsam hab ich die Nase voll von den Bandwurmsätzen. Himmel, so was könnte man viermal so lang und immer noch nicht ausreichend erzählen.

Für die abc.etüden, Woche 30.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Anna-Lena (visitenkartemyblog.wordpress.com) und lauten: Stativ, Kindheitstraum, nachspüren.

 

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Über Träume | abc.etüden

Heute war der große Tag, an dem er 13 wurde, und heute würde ES passieren, er war so aufgeregt! Mit seiner Mutter ging Lukas auf den Korb des Heißluftballons zu, wo die anderen Passagiere schon warteten.

Der Mann stellte sein Stativ in einiger Entfernung auf, befestigte mit geübten Handgriffen die schwere Kamera mit dem dicken Tele und fluchte, weil sich ein Bein in den unbefestigten Boden bohrte. Egal, Fotos und ein kleiner Film waren das Mindeste, was er tun konnte, er würde es durchziehen, sein eigener Kindheitstraum war genau das, ein Traum, jetzt ging es um seinen Sohn, der vor Aufregung bestimmt die letzten drei Nächte nicht geschlafen hatte und diesem Sonnenaufgang entgegenfieberte, seit sie ihm gesagt hatten, was er zum Geburtstag bekommen würde. Natürlich hatte Lukas dann alles über Heißluftballons und Wetterbedingungen in sich aufgesaugt; er war in seinem Alter nicht anders gewesen.
Ach, so gern wäre er jetzt mit ihm in diesen Korb geklettert, aber er brauchte gar nicht damit anzufangen, irgendwelchem Stress in seiner gescheiterten Ehe nachzuspüren und die Schuld zu geben, er hatte schlicht und ergreifend schon immer diese verdammte Höhenangst, die so schlimm war, dass ihm sogar auf jeder Leiter schlecht wurde.
Und er hatte es vor Lukas nicht zugeben wollen, hatte aus abergläubischer Angst, ihn mit seinem Makel „anzustecken“, einfach geschwiegen. Später am Tag, wenn alles gut gegangen war, würde er ein Vater-Sohn-Gespräch mit ihm führen, das schuldete er ihm.

Als der Ballon majestätisch über seinen Kopf hinwegschwebte, entdeckte Lukas ihn und fiel vor Winken und Rufen fast aus dem Korb. Er war zum Glück zu weit oben und zu begeistert, als dass er gesehen hätte, dass seinem Vater dicke Tränen über die Wangen rannen.

 

lz abc.etueden schreibeinladung 2 visitenkartemyblog 30.17 | 365tageasatzadayVisuals: lz. (ludwigzeidler.de)

 

Ich hätte da zum Thema Träume und nicht errungene Sehnsüchte noch einen Gedichtlink: Isolde Kurz, „Über ein Glück“.

Und dank des Kommentars von Frau dergl (s. u.) gibt es auch ein Lied zum Tag: Wolfsheim, Kein Zurück

 

Für die abc.etüden, Woche 30.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Anna-Lena (visitenkartemyblog.wordpress.com) und lauten: Stativ, Kindheitstraum, nachspüren.

 

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Schreibeinladung für die Textwoche 30.17 | Wortspende von visitenkartemyblog

Und auf zum Endspurt! Heute, meine lieben Mitschreiber-/innen und Leser-/innen, gibt es die letzten Wörter vor der Sommerpause. Von Sommer, sprich: Hitze, haben wir hier oben im Norden zwar bisher noch nicht viel mitbekommen, aber ich gebe die Hoffnung erst zum Herbstanfang auf.
Die Wörter für diese Woche hat Anna-Lena von „Meine literarische Visitenkarte“ (visitenkartemyblog.wordpress.com) gespendet. Sie lauten:

Stativ
Kindheitstraum
nachspüren

Sagt doch selbst, da geht doch noch was, oder?

Ankündigung in eigener Sache
1. Selbstverständlich gibt es ein Ferienprogramm, das Etüdensommerpausenintermezzo. Dazu hätte ich gern von euch ein Wort, das (für euch) etwas mit „Sommer“ zu tun hat. EINS! In die Kommentare, bitte. Ja, ich meine so was wie „Mückenstich“, „cremeverschmiert“ oder „schnorcheln“, ich lasse mich aber gern überraschen. Ja, wer mehr nennt, kommt doch nur mit einem in den Topf. Die Wörterannahmestelle schließt am Mittwoch um 23:59 Uhr, Etüdensommerpausenintermezzoausgabe ist nächsten Sonntag zur gewohnten Zeit.

2. Wenn ihr nur wissen wollt, wann es wieder weitergeht: Die nächste Runde startet mit der Ausgabe der neuen Wörter für die abc.Etüden Anfang September, und zwar am Sonntag, den 3. September für die Textwoche 36.17.

Etüden-Regelkurzfassung bleibt, dass es gilt, diese 3 Wörter in maximal! 10! Sätzen unterzubringen und euren Beitrag hierhin zu verlinken bzw. den Link unten in einen Kommentar zu schreiben (oder gleich die ganze Etüde, wenn ihr keinen Blog habt oder es bei euch nicht passt), damit euer Beitrag auch ganz sicher von Anna-Lena und von mir und von allen anderen Mitlesern/-schreibern gefunden werden kann.

Die Illustrationen stammen wie immer aus der Feder/dem Pinsel bzw. der Kamera von lz., dem eigentlichen Erfinder der abc.etüden, dessen Artpage unter ludwigzeidler.de zu finden ist.

lz abc.etueden schreibeinladung 1 visitenkartemyblog 30.17 | 365tageasatzaday

lz abc.etueden schreibeinladung 2 visitenkartemyblog 30.17 | 365tageasatzaday

lz abc.etueden schreibeinladung 3 visitenkartemyblog 30.17 | 365tageasatzaday

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