Corona: Abstand | abc.etüden

 

»Sag mal, kannst du nicht neben mir bleiben, wenn wir spazieren gehen? Ich dachte, wir wollten uns in Ruhe unterhalten. Ständig bist du ein paar Schritte hinter mir oder läufst vorweg!«

»Ja, weißt du, Corona? Du sollst einen Abstand von mindestens eins fünfzig, besser zwei Meter zu deinem lieben Nächsten einhalten. Gut, gilt für uns beide nicht, wenn es einen von uns erwischt, ist der andere eh mit dran.«

»Äh, und?«

»Na, guck dir doch mal die Leute an, die uns entgegenkommen, besonders die Pärchen. Was machen die? Richtig, die gehen nebeneinander. Wie wir. Und wie breit ist wohl der Weg?«

»Keine Ahnung?«

»Streck mal beide Arme aus. Und jetzt stell dir vor, dass das von Fingerspitze zu Fingerspitze ungefähr so viel ist, wie du groß bist. Bei Frauen sogar meistens weniger. Soll heißen, wenn ich einen Arm ausklappe und du einen Arm und sich unsere Fingerspitzen gerade so eben berühren, dann sind unsere Köpfe gerade mal so eins fünfzig auseinander, also der Minimalabstand.
Und wenn wir jetzt nebeneinander gehen und uns käme ein Paar entgegen und ich würde einen Arm ausstrecken und der, der innen geht auch, was würde dann passieren? Exakt, dann würden wir uns gegenseitig mit der Hand in die Fresse hauen, weil der Weg eben nicht breiter ist, sogar, wenn die und wir eng nebeneinander und am Wegrand gingen.
Ist das also genügend Abstand? Nein, DAS ist bescheuert! Deshalb geböte es eigentlich die Höflichkeit, auszuweichen und halt mal kurz hintereinander zu gehen, bis man aneinander vorbei ist. Macht natürlich keiner, weil alle denken, dass der andere ja zuerst kann oder so, und dass man selbst uncool ist, wenn man den ersten Schritt tut.«

»Ey, komm, werd nicht lächerlich.«

»Ach ja? Und da wären dann noch die Jogger, die einem den Weg abschneiden oder ganz nah überholen und keuchen und nicht daran denken, dass jemand anders wirklich nicht ihre verbrauchte Atemluft einatmen möchte. Die glauben doch, sie sind voll fit und haben kein Cooorooonaaa, weil sie noch rennen können. Ich muss dich nicht erinnern, dass du trotzdem Überträger sein kannst, auch wenn du symptomfrei bist, oder?«

»Iiiiiih! Schnaufende Jogger fand ich schon immer eklig.«

»Danke. Ich würde dich auch erheblich lieber deswegen anzicken, dass deine heiß geliebten Forsythien außer der Farbe bienentechnisch keinerlei Nährwert haben, oder dir erzählen, dass meinen Nachbarn neulich die Magnolien erfroren sind. Aber leider bin ich überwiegend damit beschäftigt, den Idioten auszuweichen, die die gleiche bescheuerte Idee hatten wie wir: jetzt am See spazieren zu gehen. Damit wir nämlich auch nächstes Jahr noch bei einem Glas Wein diesen oder jenen Sonnenuntergang bewundern können.«

»Es gibt auch rücksichtsvolle Mitmenschen. Ist die einzige Lösung demnach, zu unmöglichen Zeiten spazieren zu gehen? Am Wochenende soll es übrigens warm werden.«

»Also, ich weiß, wo ICH dann garantiert nicht bin.«

»Apropos Wein. Wir könnten im Garten grillen. Nur du und ich.«

»Deal. Ich hab so Mund-Nasen-Masken aus Stoff genäht, falls du welche willst, zum Einkaufen oder so, sag Bescheid.«

»Ich vermisse unsere Unbeschwertheit.«

»Ich auch.«

 

 

Extraetüden 14.20 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Ausgabe Extraetüden, Woche 14.2020: 5 Begriffe (aus 6), maximal 500 Wörter. Die Worte stammten dieses Mal von Corly und Elke H. Speidel, ich habe verwendet: Sonnenuntergang, warm, lächerlich, Forsythien, erfrieren.

Ich drehe täglich (nach Möglichkeit) eine Runde um den hiesigen Teich und finde es ganz wundervoll, Fauna und Flora zu beobachten und einfach nur Frühling zu atmen. Diese Ecke ist bekannt und beliebt, im Sommer werden auf den Wiesen Partys geschmissen, es wird gegrillt, Ball gespielt und laut Musik gehört, fast immer sind neben den normalen Spaziergängern Jogger, Gassigeher und Kinderwagenschieber*innen auf der Strecke. Und Familien, oft große. Je schöner das Wetter, desto exzessiver.
Klar, Corona hat das alles sehr deutlich reduziert, dennoch ist Rücksicht vonnöten, vor allem in so einer Zeit wie jetzt. Ja, ich erlebe immer wieder, dass mit einem freundlichen Nicken und Lächeln sehr vieles geht (AUCH BEI JOGGERN) – aber ich erlebe auch das krasse Gegenteil, dass die Mitmenschen einfach Luft sind. Früher hat es mich meist nicht sonderlich gestört, da fand ich es zum Teil halt einfach rüpelhaft, aber momentan bin ich bisschen empfindlicher.

Mich hat tatsächlich beschäftigt, wie viel denn dieser eine Meter fünfzig ist, den wir Abstand halten sollen, und da bin ich auf das Maß gekommen, das jede*r mitschleppt – die Armlänge. Gewusst habe ich nicht, dass die Armspannweite, also die ausgebreiteten Arme von Mittelfingerspitze zu Mittelfingerspitze ca. der eigenen Körpergröße entsprechen, mit Freude habe ich zur Kenntnis genommen, dass man das Verhältnis von Armspannweite zu Körpergröße den „Affenindex“ nennt (ein Begriff ursprünglich aus der Kletterszene, Wikipedia-Artikel hier lesen), und dass wohl nur sehr große Männer häufiger einen positiven Affenindex haben. Konkrete Zahlen zu „Standardproportionen des Durchschnittsmenschen“ habe ich in einem Rennrad-Forum gefunden (hier nachlesen, bisschen scrollen).

Etüden bilden, ich hab es schon immer gewusst.

 

Der Frühling schmollt | abc.etüden

Er war kurz davor, das persönlich zu nehmen. Da hatte er sich solche Mühe gegeben, ihnen etwas zu bieten! Für wen hatte er denn seinen altersschwachen Vorgänger verfrüht aus dem Rennen gedrängelt und das ganze Land mit frischem Grün überzogen? Und? Wo blieben sie? Undankbares Volk!
Er vermisste ihre blassen Gesichter: Die Spaziergänger, die Sonnenanbeter, die In-die-Luft-Gucker-und-Freuer, die Balkonsitzer, die ewigen Griller, die Eisesser, die Jogger, die Gassigeher, die Omas und Mütter mit kleinen Kindern, die Mittags-essen-Geher – Temperaturen fast egal, Hauptsache draußen? Kommt raus, ihr Gesundheitsapostel, tankt euer Vitamin D!

Er liebte sie alle, und er wusste, sie liebten ihn auch. Eigentlich.

Hatte er sich doch nicht genug ins Zeug gelegt, war das Gelb der Forsythien oder des Löwenzahns diesmal nicht strahlend genug? Selbst Osterglocken hatte er schon reichlich gestreut und sogar hier und da Magnolien versucht – und dafür war es eigentlich wirklich noch zu früh.

Als alles nicht zu helfen schien, hatte er tiefer in die Trickkiste gegriffen: Frost. Etwas erfrieren zu lassen, brachte die Leute immer zuverlässig nach draußen zum Jammern, vor allem die, die sonst wie bescheuert in ihren Gärten werkelten und allen möglichen Trends nachliefen, als ob sie sonst nichts Wichtigeres zu tun hätten.

Nichts. Also nicht komplett nichts, aber alles in allem lächerlich wenig.

Er schnaubte beleidigt, als er sich die leeren Parks besah. Schön, es hatte auch seine Vorteile, wenn man nicht so herumpowern musste, aber das sah bisher nach einem überaus merkwürdigen Jahr aus und er wusste noch nicht, ob er die Entwicklung begrüßen würde.

 

abc.etüden 2020 12+13 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 12/13.2020: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Elke H. Speidel mit ihrem Blog Transworte auf Litera-Tour und lauten: Forsythien, lächerlich, erfrieren.

Hat vielleicht mal wer Mitleid mit dem armen Frühling?

 

Corona: Lourdes – abc.etüden

Lourdes hat geschlossen!“
Klar, sagte man ihr, da sind immer so viele Menschen, zum Teil signifikant krank, es gibt Vorschriften, ist doch nur gut, bla, bla, bla. Sie nickte. Natürlich war das so, und vermutlich war es lächerlich, dass es sie überhaupt berührte, schließlich hielt sie religiösen Massentourismus für fragwürdig, und Lourdes mit seinem frommen Overkill stand ganz oben auf ihrer Liste.
Aber: LOURDES hatte geschlossen. Lourdes, wohin seit gut 160 Jahren immer mehr Leute gepilgert waren, um Hilfe zu erflehen, und das scheinbar wohl auch in den Weltkriegen immer offen gewesen war. Lourdes war dicht. Lourdes kam kurz nach dem Petersdom. Sie hätte vermutet, dass eher die Hölle erfror, also einfror, als dass das passierte.

Die untersagten Gottesdienste hatten sie schon merkwürdig berührt. Als Konstante in ihrem Leben vermittelten sie ein Gefühl von Beständigkeit: was, wenn nicht die Kirche, war immer da? Und sei es nur in Form des Abend- und sonstigen Läutens, bzw. dessen Fehlen zu Zeiten von „nach Rom fliegenden Glocken“ vor Ostern. Auf den kirchlichen Beistand war sie nicht angewiesen, ihre Spiritualität ging andere Wege. Aber sie stellte fest, dass sie dieser Tage für herzliche Worte empfänglich war, zum Beispiel für die Rundmail der Gemeinde, selbst wenn es nicht mehr als das vielfach gehörte „Rückt virtuell zusammen, nehmt Rücksicht, seid vernünftig und beachtet die Regeln, wir sehen uns bald wieder“ war.

Und jetzt? Ja, leben, einen Tag nach dem anderen, weiterlächeln, irgendwie würde es weitergehen. Der Forsythienstrauch im Garten war fast abgeblüht, aber aus anderen Gärten leuchtete es vielfarbig. Hämmern drang die Straße herauf, dort arbeiteten Handwerker auf dem Dach. Radiobeats, Gefluche, Gelächter. Normalität, selten so willkommen. Im Sonnenschein erschien alles frühlingshaft verzaubert.
Sie beschloss, draußen eine kleine Runde zu machen – mit Maximalabstand zu allen, die es ihr gleichtun würden. Solange sie noch durfte.
Befremdliches Gefühl.

 

abc.etüden 2020 12+13 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 12/13.2020: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Elke H. Speidel mit ihrem Blog Transworte auf Litera-Tour und lauten: Forsythien, lächerlich, erfrieren.

Ich bin nicht sicher, ob man das nachvollziehen kann …

 

Schreibeinladung für die Textwochen 12.13.20 | Wortspende von Elke H. Speidel

Da haben wir ja wohl einen ungeladenen Gast bei den Etüden, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, und obwohl sie auf den schönen Namen Corona hört, stört sie unser aller Leben doch ziemlich. Und jetzt? Ich kann jede und jeden verstehen, der sagt, ich kann mir vor lauter Corona-Sorgen nicht auch noch belanglose Etüden ausdenken – und ich kann ebenfalls jede und jeden verstehen, der sagt: Jetzt erst recht, ich lasse mich doch von der Angst vor so einem bescheuerten Virus nicht unterkriegen, auch wenn alle um mich herum gerade scheinbar verrückt spielen.
Mir geht es selbst so, dass ich zwischen diesen beiden Extremen hin- und herpendele. Das öffentliche Leben, so wie ich es kenne, fährt gerade massiv herunter, auch wenn ich selbst recht wenig betroffen und (noch(?)) gesund bin. Ich kann nicht behaupten, dass mich das nicht beeinflusst, und ich vermute, dass es euch nicht anders geht.

Was also machen wir mit den Etüden, ihr Lieben? Alles weiter wie bisher? Wir haben die kommenden zwei Wochen die Wörter von Elke, danach kommt eine Extraetüden-Woche, und spätestens dann brauche ich neue Wörter. Ich frage euch (und natürlich hauptsächlich euch Schreibende): Business as usual – ich ziehe ein paar Wortspender*innen, schreibe sie an und hoffe, dass sie ein paar Wörter spenden, die sich dann irgendwie in die Etüden einpassen lassen und unserem Gemütszustand entsprechen? Oder Etüden aussetzen aus Mangel an Interesse? Was sonst? Ich nehme eure Vorschläge gern entgegen.

Tatsache ist jedoch auch, dass wir, wenn man die reinen Zahlen betrachtet, dieses Mal die höchste Anzahl beteiligter Blogs bei gleich vielen Etüden seit Beginn des Jahres haben …
Und damit möchte ich jetzt zur Statistik kommen. Hier sind Statistik und Liste für alle, die vielleicht die eine oder andere Etüde verpasst haben und noch mal nachlesen wollen. Es wurden von 33 teilnehmenden Blogmenschen insgesamt 54 Etüden eingereicht.
Die Liste in den Zeiten von Corona führen die Herren fraggle und Werner Kastens mit jeweils 4 Etüden an, gefolgt von Myriade, Puzzleblume und Gerhard mit jeweils 3 Etüden. Wir haben ferner eine Neue, Ellen von nellindreams, nochmals herzlich willkommen bei den Etüden, liebe Ellen!

Checkt bitte, ob alles mit euren Links okay ist, und meldet Fehler/Fehlendes oder ob sonst was falsch ist – ich möchte keine*n vergessen.

Disclaimer: Nach intensiver Diskussion bleibt das Setzen von Inhaltshinweisen (CN/Triggerwarnungen, z. B. in den Schlagwörtern) jedem teilnehmenden Blog freigestellt.

Ulrike auf Blaupause7: hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier, hier und hier
Donka auf onlybatscanhang: hier und hier
Corly in Corlys Lesewelt: hier
Werner auf Werner Kastens: hier, hier, hier und hier
Resi Stenz in meinen Kommentaren: hier
Lea auf kommunikatz: hier und hier
Elvira vom Quilt-Traum: hier und hier
Sabine auf Wortgeflumselkritzelkram: hier, hier und hier
fraggle auf reisswolfblog: hier, hier, hier und hier
Puzzleblume auf Puzzle: hier, hier und hier
Carmen aus der Wortwabe: hier und hier
Gerhard auf Kopf und Gestalt: hier, hier und hier
Judith von Mutiger leben: hier und hier
Alice auf Make a Choice Alice: hier
Viola auf viola-et-cetera: hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier
Ela auf 365 Tage in Richtung 60: hier
Gerda von GERDA KAZAKOU: hier
Das andere Mädchen auf Das andere Mädchen: hier
Susanne auf books2cats: hier
Ellen auf nellindreams: hier
Bernd auf Red Skies over Paradise: hier
René auf Ein Blog von einem Freund. Von Humor. Und Spass. Aus Berlin. Im Ernst!: hier
Anna-Lena auf Meine literarische Visitenkarte: hier und hier
Ulli aus dem Café Weltenall: hier
Isabel auf Wortverzauberte: hier
Natalie im Fundevogelnest: hier
Andrea im Hummelweb: hier
Katharina auf Katha kritzelt: hier
René auf „Wer lesen kann, liest hier. Über Berlin“ – Der BerlinAutor: hier
Yvonne von umgeBUCHt: hier
Veronika auf vro jongliert: hier
Nina vom Bodenlosz-Archiv: hier

Wie immer: Vielen Dank an alle, die mitgeschrieben, mitgelesen, gelikt und kommentiert haben!

Die Wörter für die Textwochen 12/13 des Schreibjahres 2020 kommen von Elke H. Speidel und ihrem Blog Transworte auf Litera-Tour. Ihre Begriffe lauten:

Forsythien
lächerlich
erfrieren.

 

Weiterhin gilt der öde, blöde Etüden-Disclaimer: Die Headline für die Etüden heißt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern.
Inhaltshinweise und die Überschrift zählen NICHT zum Text. Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder postet den Link unten in einen Kommentar, damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der Schreibeinladung finden kann (das ist hier), der kommt nicht auf die nächste Liste, ich merke mir nicht, was ich wann eventuell bei wem gelesen habe.
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright. Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen. Wenn was fehlt – ihr wisst schon.

Am 29. März 2020 legen wir eine Woche Extraetüden ein, die nächsten regulären Wörter gibt es am 5. April 2020. Habt weiterhin ein schönes Wochenende und bleibt/werdet gesund!

 

abc.etüden 2020 12+13 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

abc.etüden 2020 12+13 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Wahrheit | abc.etüden

Lumi ist abgehauen in Richtung Wald (hier lesen), weil ihre Tante so nervt. Sie will zur Familienblockhütte und begegnet dort dem geheimnisvollen Keijo (hier lesen), der ihr das Raureifproblem damit erklärt, dass ihr Vater ein Elf wäre (hier lesen) …

***

„Was?“ Sie entriss ihm die Hände, sprang auf und wich ein paar Schritte zurück. „Mein Vater war was? Du spinnst! Es gibt keine Elfen!“
„Lumi!“
Sie verschränkte die Arme vor der Brust und musterte den Boden um ihre Füße böse, auf dem sich bereits nasskalt-frostig ein Raureifkreis abzeichnete. „Ich habe ja wohl jedes Recht, mich aufzuregen!“
„Hast du. Es war für mich auch ein Schock. Ich wusste bis dahin nicht mal, dass ich adoptiert war.“
Plötzlich tat er ihr leid. „Wusste ich immer. Okay. Erzähl von meinem Vater.“
„Elfen leben in einer anderen Art Welt, es ist so, als ob sie zusätzlich zu unserer noch eine Dimension mehr hätten. Frag mich nicht, wie das geht, sie antworten darauf nicht. Obwohl sie besondere Fähigkeiten haben, sehen sie eigentlich so aus wie wir auch. Das Problem ist bloß, wenn Menschen und Elfen aufeinandertreffen, verlieben sie sich oft fürchterlich ineinander.“
„Ja, und?“
Er verzog das Gesicht. „Die Kinder, Lumi. Wenn dabei Kinder rauskommen, überleben entweder die Mütter oder die Kinder die Geburt nicht. Es gibt da irgendetwas, was nicht passt. Genetisch, was weiß ich. Hat noch keiner herausgefunden. Du und ich, wir sind beide bei Menschenfamilien gelandet, weil unsere elfischen Verwandten ihren verlorenen Familienmitgliedern nachgetrauert haben und sich nicht zutrauten, uns artgerecht aufzuziehen.“
Sein Lächeln saß schief.
„Liebe ist ihnen kostbar, Lumi. Sie leben länger als wir, bleiben immer im Verborgenen. Aber trotz all dieser Liebe erinnern wir Kinder sie natürlich ständig an ihren Verlust.“

„Ich muss darüber nachdenken, Keijo“, sagte sie leise. „Und jetzt will ich heim. Bringst du mich ein Stück?“
„Klar.“ Er hatte genauso wenig eine Jacke an wie sie und beide lächelten unwillkürlich.

Das Letzte, was sie von ihm sah, nachdem sie sich getrennt hatten, war, wie er an einen Winterbaum, eine Birke, gelehnt dastand und ihr Winken erwiderte.

 

2018 49+50 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Woche 49/50.2018: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Elke H. Speidel und lauten: Winterbaum, nasskalt, nachtrauern.

 

Eröffnung | abc.etüden

Jaaa, hat ein bisschen gedauert mit der Auflösung des Cliffhangers, sorry. Erinnert ihr euch noch?

Also, Lumi (hier lesen) ist abgehauen in Richtung Wald. Sie will zur Familienblockhütte und begegnet dort Keijo (hier lesen), der angesichts ihres Raureifproblems sagt, da habe er sie ja gerade noch rechtzeitig gefunden …

 

***

 

Erst mal hatte Lumi seinen Ton satt.

Rechtzeitig heißt?“, pampte sie zurück. „Bevor ich das ganze Haus in eine Eiswüste verwandele?“
Keijo nickte, aber sie sah den Schalk in seinen Augen tanzen. „Genau, wie im Kino. Alles, was du anfasst, ERSTARRT“, raunte er, „du machst aus Badeseen Eisbahnen, indem du die Hände reinhältst, und du musst im Hochsommer nur irgendeinen Baum berühren, damit er alle Blätter abwirft und aussieht wie ein schockgefrosteter Winterbaum!“
„Hör auf, das ist nicht witzig!“, brüllte sie ihn an und hätte am liebsten geheult.
Er lachte und hielt ihr beide Hände hin. „Fass an, du Eisklotz. Na los, mach schon!“

Sie waren warm. Richtig warm. Sie sah ihn verwirrt an.

„Und das heißt? Oder ist das wieder nur so ein Trick?“
Er schüttelte den Kopf. „Das mit dem Raureif passiert, wenn du dich aufregst. Ich wette, du kannst stundenlang bei so nasskaltem Wetter wie jetzt nur mit einem Pulli draußen herumrennen, ohne dass du dich erkältest?“
„Ja.“
„Für Leute wie uns ist das normal, Lumilein. Es kommt immer irgendwann in der Pubertät. Und es geht von alleine wieder weg.“
„Nee, echt?“
„In deinem Körper balanciert sich was aus. Kälteunempfindlich bleibst du vermutlich, aber das ist hierzulande ja nicht gerade von Nachteil. Bekommst du im Sommer in der Sonne Kopfweh?“
„Schon immer. Kann man das steuern, das mit dem Raureif?“
„Wenn du unterdrücken meinst, nein. Falls es bei dir so bleibt, hatte ich es erheblich schlimmer als du.“
„Okay.“

Sie schwieg, fasste einen Entschluss. Die Blicke zweier klargrüner Augenpaare kreuzten sich.

„Komm mir nicht damit, dass ich den guten alten Zeiten nachtrauern werde, als ich noch jung und unwissend war“, sagte sie. „Du weißt, was mit mir los ist, oder jedenfalls tust du so. Was ist es?“

Er atmete tief durch.

„Lumi, dein Vater war ein Elf.“

 

2018 49+50 | 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst

 

Für die abc.etüden, Woche 49/50.2018: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Elke H. Speidel und lauten: Winterbaum, nasskalt, nachtrauern.

 

Schreibeinladung für die Textwoche 49.50.18 | Wortspende von Elke H. Speidel

Dass der Dezember nicht unbedingt mit Schnee einhergeht, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, wissen wir ja alle inzwischen, zumindest wir hier im Norden Deutschlands können ein leidvolles Lied davon singen. Ich habe nichts dagegen, wenn es überhaupt regnet, es fehlt immer noch an Wasser vom Himmel, nur vor Weihnachten habe halt auch ich dekorativen Kitsch im Hirn. Das soll euch aber nicht davon abhalten, wahrhaftige und bitterliche Etüden zu schreiben, wenn ihr mögt! Gelogen wird vor Weihnachten bestimmt so viel wie an Weihnachten, also nur zu!

Zur Statistik der letzten beiden Wochen: Bettina, „deine“ Wochen führen nach wie vor, wir konnten sie nicht schlagen. 17 Blogs haben 36 Etüden eingereicht. Und dieses Mal liegen, was die Anzahl angeht, weder Gerda noch Werner an der Spitze, sondern (erfreulicherweise) Frau Flumsel, die fünf Etüden abgeliefert hat, gefolgt von Werner, René (hey, René!) und mir mit jeweils drei.

Ihr wollt die Liste? Hier. Irgendwas falsch? Hab ich wen/was vergessen? Bitte sagt Bescheid!

dergl auf Die Tinterkleckse sehen aus wie Vögel: hier und hier
Bernd auf Red Skies over Paradise: hier und hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier und hier
René auf From a friend of Friends or How Überweiss changed my life: hier, hier und hier
Viola auf viola-et-cetera: hier
m.mama auf Mein Name sei MAMA: hier, hier und hier
Frau Flumsel auf Wortgeflumselkritzelkram: hier, hier, hier, hier und hier
Werner Kastens hat in den Kommentaren mehrere PDFs eingeliefert: hier, hier und hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier, hier und hier
Ulli aus dem Café Weltenall: hier
Frau Vro auf vro jongliert: hier,  hier und hier
Agnes auf Agnes Podczeck: hier und hier
Anna-Lena auf Meine literarische Visitenkarte: hier und hier
Yvonne auf umgeBUCHt: hier
Gerda auf GERDA KAZAKOU: hier

Nachzügler:

Nina vom Bodenlosz-Archiv: hier
Natalie aus dem Fundevogelnest: hier

 

Vielen Dank allen, die mitgeschrieben, und denen, die mitkommentiert haben! Von euch leben die Etüden (auch), ihr wisst das, ich wollte es nur noch mal sagen …

 

Die neuen Wörter für die Textwochen 49 und 50 des Schreibjahres 2018 stiftete Elke H. Speidel von Transworte auf Litera-Tour. Sie lauten:

Winterbaum
nasskalt
nachtrauern.

 

Der übliche Etüden-Disclaimer: Die neue Headline heißt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern.
Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder (am besten „und“) postet den Link unten in einen Kommentar (oder gleich die ganze Etüde, wenn ihr keinen Blog habt oder es bei euch nicht passt), damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren der Schreibeinladung finden kann (das ist hier), der kommt nicht auf die Liste, und das wäre doch schade, oder?
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright.
Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig.

Die nächsten Wörter gibt es am 16. Dezember. Euch viel Spaß und zwei inspirierte Wochen! Und – natürlich – einen schönen 1. Advent euch, oder, falls ihr es mit dem Gedöns nicht so habt, einen schönen Sonntag!

 

2018 49+50 | 365tageasatzaday

 

2018 49+50 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay und ichmeinerselbst, Bearbeitung von mir

 

 

Liebe im Mai | abc.etüden

„Das Leben ist ein Affenkasten“, seufzte die alte Frau, die mit einer Tasse Kaffee in der späten Nachmittagssonne ausruhte, „wenn du Glück hast, dann füttern sie dich, wenn du Pech hast, dann schmeißen sie mit Steinen nach dir. Man weiß es nie vorher, da kannst du janken, so viel du willst. Aber ich will dich nicht langweilen, Kind, was sagtest du, wann dein junger Mann dich abholen kommt? Hübsch siehst du aus, ist die Bluse neu?“

Die Bluse war nicht nur neu und schmeichelte ihrer Figur, sie war auch elektrischblau, was Stine zu ihrer aktuellen Lieblingsfarbe erkoren hatte, weil sie so gut zu ihrer Haarfarbe, zum Himmel und zu ihrer Laune passte, und die war strahlend. Eigentlich hatte sie nur kurz bei ihrer Omi hereinschauen wollen, aber dann hatte diese ihr den Kaffee im Garten aufgenötigt, und nun saß sie wie auf Kohlen und warf immer wieder einen Blick zur Straße.

„Es kann ja auch gutgehen“, hielt sie dem beginnenden Sermon über die Unbill des Lebens leise, aber entschieden entgegen, denn sie hatte jetzt wirklich keinen Nerv dafür, „warst du denn trotz allem nicht glücklich mit Opa?“ Sie hätte vor Ungeduld schreien und herumzappeln können, aber da bog ja schon ganz pünktlich ein Beetle, unverwechselbar durch sein cooles Maikäfer-Design, um die Ecke.

„Ich muss“, rief sie aufgeregt, wartete die Antwort nicht ab, schnappte sich ihre Tasche, drückte der alten Frau ein Küsschen auf die Wange und rannte fast davon, hinaus zu dem Mann, der ihre Träume erobert hatte.
„Ach, das Glück ist launisch“, murmelte diese und sah lächelnd ihrer Enkelin nach, „auch wenn du es nicht hören willst, du wirst es auch noch lernen, hoffentlich nicht so bald …“

 

2018_22_2_zwei lz | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Für die abc.etüden, Woche 22.2018: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von dergl (ihr Blog ist getaucht) und lauten: Affenkasten, elektrischblau, janken. Und da ich mich so geärgert hatte, dass mir letzte Woche die Zeit für die wunderbaren Wörter von Elke H. Speidel fehlte, sind die auch noch gleich mit drin: Maikäfer, leise, schreien.

Hier donnert es leise und zieht sich zu, geht es euch allen wettermäßig gut, da draußen im Blogland?

 

Schreibeinladung für die Textwoche 21.18 | Wortspende von Elke H. Speidel

Ich weiß nicht, wie es euch gerade geht, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, aber bei mir ist gerade ziemlich landunter. Feiertage hin oder her: Mir fehlt sogar die innere Ruhe, morgens und/oder abends entspannt durch die Blogs zu bummeln, furchtbar ist das, ich fühle mich nicht sonderlich wohl dabei. Aber, immerhin, es gelingt mir, mein Blogfähnchen in die Höhe zu recken: HIER sind die Etüden, kommt vorbei, schreibt mit, wir/ich freuen/freue uns/mich über jeden, der zu uns stößt und die Idee der Etüden in die Blogwelt trägt. Ich für mich hoffe auf bessere Zeiten.

Die Wortspende für die folgende Textwoche 21.18 kommt von Elke H. Speidel (transsilabia.wordpress.com), die großartig erzählen kann; wenn ihr ihren Blog nicht kennt, solltet ihr das nachholen. Die Wörter, mit denen wir herumspielen dürfen, lauten:

Maikäfer
leise
schreien.

Ich frage mich schon die ganze Zeit, wann ich zuletzt einen Maikäfer gesehen habe, hier bei uns scheinen sie nicht sehr verbreitet zu sein, jedenfalls nicht mehr.
Ich bin sehr gespannt, was euch dazu einfällt. Wie immer, ihr wisst: Diese 3 Wörter bitte in maximal! 10! Sätzen unterbringen! Auch diese Woche stammen die Illustrationen von dem werten Herrn lz., vielen Dank, Ludwig!
Euren Beitrag verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder (am besten „und“) postet den Link unten in einen Kommentar (oder gleich die ganze Etüde, wenn ihr keinen Blog habt oder es bei euch nicht passt), damit eure Etüde auch ganz sicher von Elke und mir und von allen, die es interessiert, gefunden werden kann.

Und: SCHÖNE PFINGSTEN ALLERSEITS!

 

2018_21_1_eins lz | 365tageasatzaday

 

2018_21_2_zwei lz | 365tageasatzaday

 

Küchengespräche | abc.etüden

„Und, wie hat er es aufgenommen?“

Es graupelte immer noch draußen, und als sie ihre feuchten Stiefel auf das Schuhbrett gestellt und gerochen hatte, dass jemand gerade erst Tee gekocht hatte, wusste sie eigentlich schon, dass Frust angesagt war. Also ließ sie sich erschöpft auf ihren Platz am Küchentisch fallen, griff nach dem Honigkrüglein und ihrem Lieblingsbecher und ließ eine etwa teelöffelgroße Menge hineinrinnen.

„Erwartungsgemäß nicht besonders“, fasste ihre Tochter zusammen, „brotlose Kunst, ihr beide erfolglose Akademiker und ich soll das nicht machen, weil ich doch bitte nicht so enden soll wie ihr – und schon gar nicht kellnern, übrigens.“

Sie griff seufzend nach der Teekanne – schlüsselblumengelb, ein Relikt aus einer Gelbphase ihrer Tochter – schenkte sich ein und rührte um, während sie ihre Gedanken entwickelte.

„Na ja, erfolglos – das ist sein Film, er hat sich sein Leben ganz sicher nicht so vorgestellt, dass er mit Anfang fünfzig hinter einem Tresen steht, und du weißt ja, Oma gibt ja auch immer noch gern mit ihrem Sohn, dem Herrn Doktor, an. Und auch wenn er es nie eingestehen würde, er weiß genau, dass er froh sein kann, dass eigentlich Klaus die Kneipe rockt.

Du hingegen, mein Schatz, hast mit dem Platz an der HFBK erst mal eine fette Chance, deinen bisherigen Lebenstraum auszuprobieren, und wenn du was anderes machen würdest, wärst du schön blöd. In zwei Tagen wird er es geschluckt haben und stolz auf dich sein und sich höchstens noch darüber aufregen, dass du nebenbei in seinem Kneipenbiotop jobben willst. Alternder Löwe und so – hab ich’s dir nicht vorhergesagt, das mit dem Kellnerjob funktioniert prima als Ablenkungsmaßnahme.“

 

2018_05_1_lz | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Für die abc.etüden, Woche 05.2018: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Elke H. Speidel und lauten: Krüglein, schlüsselblumengelb, graupeln.

Musste jetzt sein. Wer nicht weiß, um was es eigentlich geht, hier ist der erste Teil.

 

Lebenspläne | abc.etüden

„Siehst du das, ich meine, was ist das für ein Leben?“ Er konnte nicht still stehen, wenn er sich aufregte, also rannte er zum Fenster, riss die schlüsselblumengelben Vorhänge auf und deutete hinaus. „Es graupelt wie blöde, deine Mutter, gestandene Diplom-Ingenieurin, fährt immer noch Pakete in der Stadt aus und ich, immerhin irgendwann mal Dr. phil., muss bald los zu meiner Schicht in der Bar, wo sich die Leute am Tresen über fast nichts anderes als Fressen, Saufen und F…“, er stockte kurz, „… Fußball unterhalten. Schatz, Talent hin oder her, reicht dir unser schlechtes Beispiel nicht, um dich davon abzubringen, ausgerechnet Kunst studieren zu wollen, die brotlose Profession schlechthin?“

Sie saß wie üblich auf ihrem Bett und verdrehte die Augen, aber er sah es nicht, da er inzwischen auf einen leeren Fleck an der lindgrünen Wand starrte: „Hier hing doch immer das Tränenkrüglein, deine Illustration von diesem Rilke-Gedicht, auf die du so stolz warst, wo ist denn die hin?“

„Die ist in meiner Mappe, Papa“, sagte sie sanft, „und ja, ich werde ab dem kommenden Wintersemester Kunst an der HFBK studieren, ich habe gestern den Zulassungsbescheid bekommen und noch mal ja, Mama weiß es schon. Du darfst mir gratulieren, ich habe verdammt Glück gehabt, ich bin eine von nur hundertdreißig, das ist nicht gerade viel.“

Er überlegte sich gerade, ob sie diese vernichtend freundliche Art wohl von ihm hatte und warum er eigentlich nichts von dieser Bewerbung wusste, als sie aufstand, nach ihrer altrosa eingefärbten Jeansjacke griff und seiner heilen Welt endgültig den Todesstoß versetzte.
„Wenn du gestattest, komme ich übrigens mit dir in die Bar, dein Freund und Partner Klaus hat mir versprochen, wenn die Prinzessin von der Erbse steigen darf, dann arbeitet er mich bei euch als Kellnerin ein. Papa, hey, Papa, was ist denn, ist dir nicht gut?“

 

2018_05_2_lz | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Für die abc.etüden, Woche 05.2018: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Elke H. Speidel und lauten: Krüglein, schlüsselblumengelb, graupeln.

Also, ich muss zugeben, hier die Zeiten ein bisschen manipuliert zu haben. Entweder es graupelt noch im April, oder die HFBK Hamburg hat ihre Bewerbungsfristen verändert. Laut Homepage beginnt der Bewerbungszeitraum gerade erst, sie kann also die Zulassung auf keinen Fall schon haben. Ferner wird ziemlich unerbittlich gesiebt, realistisch gesprochen wäre ich durchaus nicht sicher, wie groß die Chancen für Papas Prinzessin sind, beim ersten Mal ausgerechnet dort durchzukommen. Anyway.

Hier nun das von mir gesuchte Gedicht mit „Krüglein“ (hallo, Bruni). Ja, es hat echt gedauert. Ja, der Husten. Aber macht ja nix. Irgendwann waren die „Tränen“ zu dem „Krüglein“ da, und dann war es einfach.

Tränenkrüglein

Andere fassen den Wein, andere fassen die Öle
in dem gehöhlten Gewölb, das ihre Wandung umschrieb.
Ich, als ein kleineres Maß und als schlankestes, höhle
mich einem andern Bedarf, stürzenden Tränen zulieb.

Wein wird reicher, und Öl klärt sich noch weiter im Kruge.
Was mit den Tränen geschieht? – Sie machten mich schwer,
machten mich blinder und machten mich schillern am Buge,
machten mich brüchig zuletzt und machten mich leer.

(Rainer Maria Rilke, Tränenkrüglein, gewidmet Elisabeth Salomon; entstanden 16.09.1923; Erstveröffentlichung im Insel-Almanach 1924, S. 181–182; Quelle online)

Schreibeinladung für die Textwoche 05.18 | Wortspende von Elke H. Speidel

Nachdem die Discokugel euch hoffentlich nicht geblendet und verschreckt hatte, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, wenden wir uns jetzt wieder der Tatsache zu, dass es zumindest in den Etüden doch noch winterlich sein könnte. Vorschub leisten da die Wörter von unserer dieswöchigen Wortspenderin, Elke H. Speidel, die auf transsilabia.wordpress.com immer wieder die schönsten schwermütigen, aber oft auch sehr humorvollen Etüden und Beiträge hinzaubert. Elke wünscht sich, dass wir uns in der nun folgenden Textwoche 05.18 mit folgenden Wörtern herumschlagen:

Krüglein
schlüsselblumengelb
graupeln.

Wie ihr wisst, gilt es, diese 3 Wörter in maximal! 10! Sätzen unterzubringen, und auch dieses Mal hat sie der werte Herr lz. (danke, Ludwig!) in Szene gesetzt, der erwähnte, dass er die zugrunde liegenden Fotos extra für die Etüden aufgenommen habe. Sehr löblicher Einsatz, vielen Dank!
Euren Beitrag verlinkt ihr dann bitte wie gewohnt hierhin und/oder (am besten „und“) postet den Link unten in einen Kommentar (oder gleich die ganze Etüde, wenn ihr keinen Blog habt oder es bei euch nicht passt), damit eure Etüde auch ganz sicher von Elke und mir und von allen, die es interessiert, gefunden werden kann.

 

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2018_05_2_lz | 365tageasatzaday