Ein Geschenk | abc.etüden

Ich kenne den Blick. Er soll mir suggerieren, dass ich etwas unglaublich Wertvolles übersehe. Ich kenne aber auch den, der so guckt. Hm.
Außerdem ist es früher Morgen. Also, ziemlich früh.

Ein Geschenk? Bestimmt. Ist hier irgendetwas anders als sonst? Nein. Dann muss er es versteckt haben.

»Soll ich suchen?«, frage ich und sehe diesen erwartungsvollen Glanz in seinen Augen. Okaaaaay. Also mustere ich das Regal – nichts – und umrunde das sperrige Sofa. Bingo!

Da liegen sie: DREI Leichen in, äh, unterschiedlichen Zuständen der Vollständigkeit. Ich wusste es doch. Wahrscheinlich haben sie nicht geschmeckt.

Und das vor dem ersten Kaffee.

»Oha, da hast du heute Nacht ganz im Verborgenen aber eine ordentliche Strecke gemacht, mein Geheimkünstler«, lobe ich ihn. Schnurrend kommt er an, stößt seinen Kopf gegen mein Bein und streicht daran entlang. Ich kraule den getigerten Pelz. Ohne jeden Zweifel ist jetzt eine Belohnung fällig.

»Na, dann komm mal mit in die Küche, dann gebe ich dir was«, seufze ich und nehme auch gleich die Utensilien mit, um die Spuren der Großwildjagd zu beseitigen. Ich muss dran denken, fürs Erste die Katerklappe zu verriegeln, das war schon das dritte Mal in zwei Wochen, dass er etwas hereingebracht hat, und man weiß nie, ob nicht doch eine nur halb tote Beute dabei ist und demnächst in einer Ecke vor sich hin rottet.

Den Schrecken der Mäuseschaft (Vögel sind zum Glück meist zu schnell, er wird ja auch älter) interessiert das alles freilich nicht mehr. Er hat sich den Bauch vollgeschlagen und schläft auf dem Sofa den Schlaf des Gerechten.

 

abc.etüden 2021 40+41 | 365tageasatzaday
Quelle: Photo by krakenimages on Unsplash, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 40/41.2021: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Wortspende stammt dieses Mal von Yvonne mit ihrem Blog umgeBUCHt. Sie lauten: Geheimkünstler, sperrig, suggerieren.

Jaaaa, eine Kattitüde mal wieder! Die könnte sich sogar hier abgespielt haben, wenn 1. ich eine Katzenklappe hätte (aus den in der Etüde erwähnten Gründen nicht) und 2. der Herr Fellträger tatsächlich in einer derartigen Frequenz Mäuse erbeuten würde, aber momentan ist es nachts draußen eher ruhig und morgens steht nur ein hungriges Pelztier vor der Tür, das kräftig anfängt, Winterfell zu entwickeln.
Schlafen kann er allerdings wie gemalt.

Kleine Zwischendurch-Etüde ohne größeren Anspruch, ich hab einfach zu viel um die Ohren.

 

Sommerquartier | abc.etüden

Fortsetzung von On the Road Again?

 

Sie roch muffig, die bunte, abgewrackte Baracke, die er nach längerem Herumziehen durch die Schrebergartenkolonien entdeckt hatte, und er träumte immer noch vom Abenteuer. Aber sie war okay, hier würde er bleiben. Die Tage verbrachte er oft dösend auf dem Dach und beobachtete die Spaziergänger, die selten herübersahen. Bis der alte Mann plötzlich kam und blieb und am Abend Futter auf dem Boden stand.

Er näherte sich der Untertasse. Es roch gut. War das eine Falle? Er probierte vorsichtig. Essbar, aber nichts, was er liebte. Eigentlich. Er fraß weiter, und dann war der Teller leer.

Jemand lachte. »Na, Katze?«, fragte eine tiefe Stimme. »Hat es geschmeckt? Noch mehr?«

Er erschrak und sprang zurück, bereit, das Fell aufzustellen und zu fauchen.

»Lauf nicht weg. Ich will dir doch nichts Böses.«

Eine Hand wurde hingehalten. Geduldig. Irgendwann berührte ein Katzenkopf sie. Das war der Anfang.

***

Es geschah vier Wochen später, dass eine Kinderwagenschieberin stehen blieb, nach ihm rief und er hinsauste, ohne nachzudenken. SIE. Natürlich hatte er sie nicht vergessen. Er ignorierte die niedrige Karre, aus der es misstönend plärrte. Sie nahm ihn auf den Arm wie früher, er schnurrte und fand es herrlich.

»Ist das Ihrer?«, fragte der alte Mann, der hinterhergekommen war. »Ich hab mich die ganze Zeit schon gefragt, was dem wohl widerfahren sein mag.«

»Das Kind ist passiert«, antwortete sie und seufzte. »Ich war völlig konfus, und irgendwann ist er einfach abgehauen.«

Er musterte sie und dachte sich sein Teil. »Ich werde vermutlich hier sein, bis der Frost kommt und die lauen Nächte endgültig vorbei sind. Ich möchte ihn ungern unversorgt zurücklassen, er ist so ein feiner Kerl. Wollen wir uns vorher noch mal darüber unterhalten, wer sich um ihn kümmert?«

»Bis dahin bin ich definitiv sortierter.« Sie nickte. »Er heißt übrigens Leo. Ich melde mich. Danke.«

 

abc.etüden 2021 20+21 | 365tageasatzaday
Quelle: Photo by Ilse Orsel on Unsplash, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 20/21.2021: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Wortspende stammt dieses Mal von Bernd mit seinem Blog »Red Skies over Paradise«. Die Wörter lauten: Baracke, lau, widerfahren.

 

Fastenzeit | abc.etüden

Ihre Stimme klang anklagend. »Ich habe dich beobachtet. Wir waren übereingekommen, nicht vor Mittag etwas zu essen!«

Er ignorierte sie und starrte zur Spüle, wo noch die Reste des Essens standen. Ihres Essens. Fisch und Chips, wie er das hasste, schon den Geruch. Er hätte ihr etwas von der »Fressformel«, der süchtig machenden Kombination von Kohlehydraten und Fetten erzählen können, das Lieblingsthema der Professorin, ach, warum hatte er die eigentlich verlassen.
Aber wo als Krönung der Mahlzeit ein fruchtig-süßlicher Curryketchup auf den Tisch kam, da würde er damit kein Gehör finden.
Er seufzte innerlich. So viel zu gesundem Essen in diesem Haushalt.

Na schön, er war nicht mehr so schlank wie früher. Okay, ja, er verstand sogar, was sie mit »Rettungsringen« meinte. Zugegeben, er mochte vielleicht eher ein Gourmand als ein Gourmet sein, aber ihn so abzukanzeln, nur weil er sich aus dem Kühlschrank bedient hatte? Was bildete die sich denn ein? In diesem Ton? Und überhaupt, das waren Reste gewesen!

ER hatte jedenfalls gar nichts zugestimmt. Bestimmt nicht.

Er runzelte die Stirn und hoffte, es würde sie besänftigen, weil sie seine sogenannten Dackelfalten ja so toll fand. Überhaupt, noch so etwas! Denkerstirn ließ er sich ja gerade noch gefallen, aber Ähnlichkeit mit einem Dackel? Er? Das ging wirklich zu weit. Er musste dringend die Gesamtsituation überdenken. Allein.

Als die Klingel an der Haustür verheißungsvoll schepperte und sie ihrer Nachbarin öffnete, schoss er an ihr vorbei aus dem Haus, überquerte den Rasen mit drei Sprüngen, erklomm den Birnbaum und hockte sich erst mal schwer atmend in eine Astgabel.

Die beiden Frauen betrachteten ihn nachdenklich. »Ich hab es dir vorausgesagt, dass es bei der Ernährungsumstellung Schwierigkeiten geben könnte«, bemerkte die Nachbarin. »Nicht alle Katzen stehen auf Intervallfasten.«

 

abc.etüden 2021 12+13 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 12/13.2021: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Puzzleblume und ihrem Blog Puzzle❀. Sie lauten: Dackelfalten, fruchtig, scheppern.

Weiß nicht, wie es bei euch ausschaut, aber in meinem Bekanntenkreis mehren sich die Intervallfaster. Für mich ist es nichts, da ich mit meiner Milchdosis im Morgenkaffee das Fasten breche, auch wenn ich zehnmal vor Mittag nichts esse …

 

Morgenskizze mit Fellträger | abc.etüden

Häufig beginnt mein Tag damit, dass ich auf der Ofenbank hocke und aus dem nach Osten weisenden Fenster nach orangen Wolken Ausschau halte, auf dass sie beim Sonnenaufgang besseres Wetter als das zurzeit alltägliche Dauergrau verheißen mögen. Gleichzeitig lese ich mich durch meinen WP-Reader und schlürfe den ersten Kaffee.

Hin und wieder werde ich dabei unterbrochen. Dem Fellträger meines Herzens ist nämlich jüngst erst aufgefallen, dass er auf meiner Augenhöhe ist, wenn er sich auf der Fensterbank platziert, und seitdem steht gelegentlich ein Kater vor meiner Nase und starrt mich an. Besagte »Ofenbank« ist der Heizkörper meiner Nachtspeicherheizung und in bequemem Abstand zum Fenster montiert. Ein Lieblingsplatz von uns beiden.

»Na, Schnurri«, begrüße ich ihn zärtlich, schiebe weg, was ich in der Hand halte, lehne meinen Kopf an seinen und kraule ihn am Hals und hinter den Ohren. Wenn er gekommen ist, um sich ein paar Streicheleinheiten abzuholen, hält er still, stellt seinen eingebauten Lautsprecher an und kann sogar so laut losschnurren, dass das Geraspel buchstäblich den ganzen Katerkörper erschüttert. So sitzen wir da, die Stirnen aneinandergedrückt, die Augen geschlossen, eine Minute … zwei … fünf, und vergewissern uns ohne weitere Worte, dass bei dem anderen alles in Ordnung ist.
Mütter haben mir versichert, sie müssten nur an ihren Babys riechen, um zu wissen, ob sie okay sind, und ich habe festgestellt, dass das irgendwie übertragbar ist, auch sein Geruch ist nicht immer gleich … Was er auf diese Weise von meinem Innenleben mitbekommt, wüsste ich gern, bin aber überzeugt, es dürfte einiges sein, vermutlich mehr als ich umgekehrt.

Wir verharren in diesem Zustand ziemlich bewegungslos, bis einem von uns etwas einfällt, das mehr Priorität bekommen muss. Meist will er fressen oder schlafen, und ich gehe an meine Arbeit.

 

abc.etüden 2021 03+04 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 03/04.2021: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Ulrike und ihrem Blog Blaupause7. Sie lauten: Lautsprecher, orange, erschüttern.

Natürlich ist das autobiographisch, glaubt ja wohl keiner was anderes, oder? 😉
Versuch in der Ich-Form. Bin noch nicht so ganz überzeugt.

 

On the Road Again? | abc.etüden

Ihm klingelten immer noch die Ohren von dem Zetermordio, das sie geschrien hatte, und von dem Tränenausbruch, der unweigerlich gefolgt war. Irgendetwas war gar nicht in Ordnung in der letzten Zeit.
Sie aß komische Dinge! Sie roch fremd! Sie war anders mit ihm! Okay, er hatte ein Bedürfnis nach Unabhängigkeit und war viel unterwegs, aber offenkundige Respektlosigkeit konnte er nicht tolerieren, sie kannte ihn schließlich gut, das musste er sich nicht bieten lassen.
»Tja, Griff ins Klo, was? Dann bleibt dir wohl nichts anderes übrig, als dir ein Ei auf den Kerl zu backen«, hatte ihre Freundin gesagt und böse geschaut. Besser war es aber dennoch nicht geworden, auch wenn ihre Hand wie üblich zu ihm gewandert war. Und was hatten die Frauen überhaupt mit »sitzen lassen« gemeint? Er hatte jedenfalls nichts falsch gemacht, da war er sich sicher, und wenn er sie auf der Couch heulen sah, dann hielt das sein weichmütiges Herz kaum aus.
»Ich habe Sorgen«, hatte sie ihm neulich gestanden, »und eigentlich habe ich ziemlich Angst vor dem, was da auf mich zukommt.« Er hatte sie zu trösten versucht, aber es war nicht genug gewesen. Er hasste es, hilflos zu sein.

Sie war hektisch. Sie räumte die Wohnung um. Sie kümmerte sich noch weniger um ihn. Sie machte die Schlafzimmertür zu, was er als Affront empfand. Außerdem wurde ihr Bauch immer dicker und ihre Laune meistens noch schlechter.
Er verstand nicht, was geschah, er fühlte sich unerwünscht und zog seinerseits die Reißleine.

Nun lag er gemütlich auf einer Veranda in der Schrebergartenkolonie, hörte den Regen auf das Dach trommeln und schlug die Pfoten unter. Mäuse gab es genug, für Essen war also gesorgt. Sie fehlte ihm trotzdem. Er wollte, dass alles in Ordnung war. Morgen würde er mal vorbeischauen. Oder übermorgen. Oder nächste Woche. Bestimmt.

 

abc.etüden 2021 01+02 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 01/02.2021: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Ludwig Zeidler, dem Etüdenerfinder. Sie lauten: Zetermordio, weichmütig, backen.

 

Auch ich, ich gestehe es, treibe mich gelegentlich im Netz auf Katzenseiten herum, nicht nur der Fellträger hinter meinem Rücken 😉 Es gibt nichts, was einem so schnell bessere Laune bescheren kann, aber auch nichts, wo einem so schnell das Herz zerfließen kann, man muss also durchaus vorsichtig sein. Zum Glück passt meiner auf mich auf, dass ich nicht aus Versehen das »Catlady-Einstiegsset« ordere und er demnächst seinen Schlafplatz mit ein paar Katzenkindern teilen muss …
So landete ich jedenfalls auf einer Seite über »Wie geht die Katze damit um, wenn ein Baby ins Haus kommt?« (hängt sehr von der Katze und ihrer Menschbezogenheit ab, aber man kann was machen), und dachte, dass das ein prima Thema für eine Etüde/Kattitüde sei, wo die Situation wirklich aus dem Ruder gelaufen ist und »der Katz« mal nicht automatisch alles unter Kontrolle hat …

Kennt sich jemand von euch damit aus? Katha, habt ihr euch schon Gedanken dazu gemacht, falls du dies hier liest?

Dass dabei dann zufällig gerade Willie Nelson aus dem Radio tropfte und mir mit »On the Road Again« den Etüdentitel (+ Ohrwurm) bescherte, war Zufall. Hier, falls ihr auch wollt – ja, gut aussehender Mann, zumindest auf dem Pic (ich weiß, wie alt er ist, aber mich würde interessieren, wie alt er da war 😉 ):

 

 

Schönen Sonntag zusammen!

 

Update! Bekommt noch jemand seine Mails/Benachrichtigungen über GMX? Ich kann seit 9:00 Uhr Mails zwar verschicken, aber nicht mehr empfangen, und wüsste gern, ob es noch jemandem von euch so geht …

 

Fortsetzung: Sommerquartier

 

Ein harter Job | abc.etüden

 

Als sie »Schmutzfink« sagt, ignoriere ich sie. Glatt. Ich meine, ich bin ja schon als vieles bezeichnet worden, aber als … äh, Vogel? Das passt nun bestimmt nicht.
Kurz darauf kommt sie mit dem Handtuch angerannt. »Komm mal her, du Schmutzfuß.« Aha? Ich? Sie meint doch mich? Was denn, was denn? Es ist Herbst, da ist es draußen halt bisschen nasser.
Mach schneller, Frau, Füße abputzen nervt!

Blöd nur, dass sie mich nicht in Ruhe lässt, sondern sich vor mir aufbaut und anklagend in Richtung Tisch zeigt. Oh. Jaha, ich muss wohl zugeben, das sind meine Spuren, das war wirklich ich, ich kann es nicht leugnen. Und Überraschung, da steht der Quarkkuchen, der so fabelhaft riecht …
Nein! Ich wollte mich nicht von dem Kuchen bedienen, ich schwör’s, was denkt die denn?! Überhaupt nicht! Da lagen dicke Krümel daneben, die wollte ich mir mopsen. Nur die! Ich bin ein Fellträger, der sich an Deals hält, ich weiß, dass Kuchen anfressen Ärger bringt! So gut ist er nun auch wieder nicht. Und sie ist so anstrengend, wenn sie eingeschnappt ist.
Moment, wo ist der Quarkkuchen denn hin? Der krümelt doch so extrem, sie kann ihn doch nicht so schnell …

Schweigt stille, Genossen! Es ist mein Job, als Wachkatze hier alles im Auge zu haben!

Bestimmt ist er in der Speisekammer, da ist es kühler. Die Tür ist jedenfalls schon mal zu. Mist. Komme ich da überhaupt rein, bevor ihre doofen Freundinnen hier aufschlagen? Hm.
Ich glaube, ich werde mich mal prophylaktisch auf einen Stuhl legen, eine Runde ausruhen und danach einen auf süßes Kätzchen machen. Die Weiber geben mir bestimmt was ab, wenn ich verhungert genug gucke, die haben eh alle keine Ahnung, wie das hier so läuft.

Bis später, Genossen! Wir sprechen uns!

 

abc.etüden 2020 43+44 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 43/44.2020: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Judith mit ihrem Blog Mutiger leben. Sie lauten: Schmutzfink, fabelhaft, mopsen.

Ja, endlich mal wieder eine Kattitüde! 🙂 Wobei ich jedoch zur Ehrenrettung meines Fellträgers erwähnen möchte, dass er keinen Kuchen mag, diese Etüde jedoch auf unsere Kindheitsfamilienkatze zurückgeht, bei der man speziell auf Quarkkuchen achten musste.

 

Es wird ernst | abc.etüden

Dies ist die Fortsetzung von „Der Besuch“, ihr hattet danach gefragt.

***

Es wird ernst. Der angekündigte Besuch ist da. Es ist nicht die Kupferfarbene, zum Glück, diese hier sieht ganz normal aus. Nicht normal ist: Sie riecht gut! Ich meine, hallo, ich bin eine Katze, ich habe schon so einige Menschen gerochen, und über ziemlich viele möchte ich nicht sprechen. Aber sie hier ist völlig okay.

Also habe ich überlegt, wie ich ihr zeigen kann, dass ich sie gut finde, und Annäherungsversuche gestartet. Alle Menschen kraulen gern Katzen, oder? Ja, sie auch. Aber viel lieber fummelt sie an ihm herum, und das, obwohl er immer noch so stinkt. Klar bekomme nur ich das mit, sie bestimmt nicht!

Aber er, er hat mir einen langen Blick zugeworfen und »Nun übertreib mal nicht« gemurmelt, und das fand ich unhöflich. Also bin ich raus und habe mich auf dem Dach vom Geräteschuppen in die Sonne gelegt.

Als ich Hunger bekam, bin ich wieder rein. Meine Schüssel: leer. Zu trinken: Fehlanzeige. Er: im Bett. Sie: im Bett. Ich habe mich danebengesetzt, zugeguckt und gewartet, was sollte ich tun. Man ist ja diskret und will nicht stören.
Irgendwann hat sie mitbekommen, dass ich da war. Immerhin, sie hat nicht gekreischt, aber sie hat sich beschwert, sie würde sich beobachtet fühlen. Ob er da nicht was machen könne?

Und er? Nein, er ist nicht auf die Idee gekommen, ihr zu erklären, dass ich normalerweise dort am Fußende schlafe. Er hat gelacht, sie geküsst und »Ich fütter ihn mal eben« gesagt. In der Küche hat er mich dann gefragt, ob ich, wenn sie Liebe feiern würden, nicht woanders bleiben könnte. Wenigstens am Anfang, bis sie sich an mich gewöhnt hätte?
Ich hab ihm nicht geantwortet, dass es ja wohl keine Frage sei, wer sich an wen gewöhnen müsse.
Menschen.

Liebe feiern, weia. Ich glaub, den hat’s echt erwischt.

 

abc.etüden 2020 24+25 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 24/25.2020: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Susanne von books2cats und lauten: Geräteschuppen, kupferfarben, feiern.

Danke an Annette, die nachgefragt hat, ob es eine Fortsetzung der Kattitüde geben würde. Mir war gerade so albern, da dachte ich, das wäre vielleicht gar keine schlechte Idee … 😉

In meinem Offline-Leben ist zurzeit eine Menge los, daher bin ich gerade etwas seltener bzw. verspätet online, seht es mir bitte nach. Es ist alles okay, es kann nur ein bisschen dauern, bis von mir was kommt. Habt es fein!

 

 

Der Besuch | abc.etüden

 

Er riecht komisch. Zu viel mit der Grappaflasche gefeiert ist es nicht, und ich glaube auch nicht, dass er krank ist. Aber man kann nicht sagen, dass er sich normal benimmt, denn er putzt unsere Höhle viel gründlicher als sonst. Schön, wenn meine Decke mal von dem Fellbelag befreit wird, dann ist das angemessen, aber noch viel lieber wüsste ich, was los ist.

»Kater, wir bekommen demnächst Besuch«, teilt er mir mit, als ich auf seinem Bauch liege, damit er mich streichelt.

Besuch also! Hier kommt selten wer Fremdes her. Hoffentlich nicht wieder die mit den kupferfarbenen Haaren. Wobei ich das ja nicht glaube. Die Leckerlis, mit denen sie versucht hat, sich bei mir einzuschleimen, waren absolut unangemessen, und das habe ich ihr auch klargemacht, als sie mir plump vertraulich kommen wollte, jawohl! So einfach bin ich nicht zu haben!
Aber Menschen sind da anders. Vor allem, wenn sie schon angefangen haben, so komisch zu riechen.

»Wenn sie kommt, könntest du vielleicht ein bisschen netter sein als beim letzten Mal?«, bittet er prompt und krault mich am Ohr.

Nun, ich fand es etwas übertrieben, dass sie darauf bestand, in die Notaufnahme gefahren zu werden, und herumschrie, sie habe keine Tetanusimpfung und bekäme jetzt bestimmt eine Blutvergiftung.
Ich hatte mich wohl ein bisschen zu doll hinreißen lassen. Passiert mir manchmal. Entschuldigung.
Aber »Berserker« habe ich dann wirklich erst mal nachschlagen müssen, als er mit ihr weg war.

Heute Morgen hat er zwei große Kartons mit Geraffel vollgepackt, das seit Monaten hier schon herumfliegt, und in den Geräteschuppen im Hof geschleppt. »Aufräumen« nannte er das.

»Ich freu mich halt, was willst du?«, hat er sich verteidigt, als er meinen Blick bemerkt hat.

Er riecht jeden Tag komischer. Leute, hier ist echt was im Busch.
Ich geh schon mal die Krallen am Sofa schärfen.

 

abc.etüden 2020 24+25 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 24/25.2020: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Susanne von books2cats und lauten: Geräteschuppen, kupferfarben, feiern.

Eigentlich war es schon lange mal wieder Zeit für eine Kattitüde, oder? Tatsache ist, dass mein Fellträger sich tatsächlich während seiner drolligen 10 Minuten in einen Taschenrambo verwandeln kann – dann fließt auch tatsächlich (mein) Blut und er ist völlig weggetreten und im Rausch. Ich habe ein paar sehr beeindruckende Spuren davon an den Unterarmen.
Allerdings habe ich es noch nie erlebt, dass ein*e unschuldige*r Besucher*in darunter zu leiden hatte, und schon gar nicht wegen irgendwelcher Leckerlis … 😉

Update: Es gibt eine Fortsetzung: Es wird ernst 😉

 

Zwei Welten | abc.etüden

Sie nennt mich „Tiger“. Seit Jahren. Eigentlich fast von Anfang an. Gut, es gibt Schlimmeres, ich kann sogar mal mit „Tigerchen“ leben. Im Eifer des Gefechts rutscht einem ja so manches heraus.

Was ich aber eigentlich nicht abkann, ist dieses Gesäusel, das sie manchmal draufhat. Schau mal dieses und mach mal jenes, ist das nicht nett und möchtest du nicht vielleicht doch …? Aber wehe, ich tue ihr Gerede als das ab, was es ist, nämlich belanglos, ignoriere sie und gehe meiner Wege. Dann ist sie beleidigt, seufzt ganz tief und bekommt manchmal sogar nasse Augen, vor allem, wenn ich einen Zug durch die Gemeinde gemacht habe und ein bisschen länger ausgeblieben bin. Wie ich das hasse, dass sie sich Sorgen macht! Ich liebe sie doch!

Gestern, ich muss es gestehen, hat sie mich mit ihrem halbgar dahinplätschernden Gerede so sehr genervt, dass ich erst laut und dann handgreiflich geworden bin. DIE – SCHNALLT – MANCHMAL – SO – WAS – VON – NICHTS! Komm mir jetzt bitte keiner mit „Gewalt ist keine Lösung“. Mir ist einfach der Kragen geplatzt.
Okay, ich muss einräumen, dass sie mir daraufhin prompt die Tür gewiesen hat. Hab sie noch irgendwas von „blöder Papiertiger“ pöbeln hören und bin abgehauen. Die ganze Nacht. So! Mütchen kühlen? Ich? Soll SIE sich doch erst mal beruhigen!

Heute Morgen tat es mir wirklich leid. Ich bin der Mann im Haus, ich hätte nicht so ausflippen dürfen. Verantwortung und so. Zum Glück hat sie nur „Na, du Spinner, alles okay?“ gesagt. Dann durfte ich wieder rein.
Und jetzt liege ich auf dem Sofa und sie streichelt mein Fell und krault mich hinter den Ohren, wenn sie an mir vorbeigeht. Ich muss nur noch herausbekommen, wo hier ein Papiertiger ist, denn in diesem Haus gibt es nur einen Fellträger, und der bin ich.

 

abc.etüden 2020 04+05 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay (hier und hier), bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 04/05.2020: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Donka mit ihrem Blog OnlyBatsCanHang und lauten: Papiertiger, belanglos, plätschern.

Ich bin sehr entzückt, dass bei der Vielfalt von Papiertigern auf DEN Trichter noch keine*r gekommen ist.

Ein schönes Wochenende wünschen wir euch! 🙂 🐱

 

Jagd | abc.etüden

Der Abend dämmerte, er war unterwegs. Wie so oft checkte er die Lage, reagierte auf die kleinsten Anzeichen. Irgendjemand hier, der ihm zusagen würde?

O ja! Er starrte sie unverhohlen an. Sie hatte alles, aber auch wirklich alles, was er mochte. Man hätte sagen können, dass ihm das Wasser im Munde zusammenlief, aber solche Begrifflichkeiten waren ihm fremd. Der unausweichliche Kampf versprach spannend zu werden. Hätte er in diesem Moment gedacht, hätte er zugeben müssen, dass er eine gewisse Gegenwehr genoss, aber auch das war ihm egal. Er beruhigte seinen aufgeregten Herzschlag und konzentrierte sich. Heute endlich mal wieder keine Abweichung vom Plan. Das Ziel so nahe vor Augen, war der Ausgang unabwendbar.
Unauffällig postierte er sich so, dass sich ihre Möglichkeiten, seinen Nachstellungen zu entgehen, auf zwei Wege verengten. Beide führten an ihm vorbei. Er war eindeutig am Zug.

Plötzlich ein Geräusch! Über ihm hatte ihn eine Elster entdeckt und begann zu keckern, eines dieser verdammten nervtötenden Viecher, die hielten das gefühlte Ewigkeiten durch!

Die Maus reagierte sofort, warf sich herum und erreichte das winzige Loch im Zaun, bevor eine bekrallte Pfote ihren Schwanz zu fassen bekommen konnte.
Der Durchschlupf war ihm doch glatt entgangen.
Der dicke Kater starrte ihr böse hinterher.

Die Elster hörte nicht auf zu lärmen, bis sie ihn abziehen sah. Keine Beute hier, auch nicht für sie. Schließlich flog sie davon.

 

abc.etüden 2019 23+24 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 23/24.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Werner Kastens und seinem Blog Mit Worten Gedanken horten und lauten: Abweichung, unabwendbar, verengen.

Mir war heute nicht nach was Ernstem, aber in meinem Hinterkopf sammelt sich was und gärt …

Dem Fellträger entwischen manchmal wirklich Mäuse. Katzen sehen offensichtlich sich bewegende Ziele viel besser als unbewegte und verlieren dann das Interesse, wenn sich das gewünschte Objekt totstellt. Wenn die Maus also die Übersicht behält, wo die Katze ist, scheint sie durchaus Chancen zu haben, jedenfalls bei meinem hier.

Oh, und Elstern fressen auch Fleisch und räubern Nester aus. So schön und klug, wie sie sind, es sind keine fliegenden Engel. Der Fellträger hasst sie aus den oben erwähnten Gründen, sie nerven ihn tierisch.

Wer hören möchte: hier klicken. Ich finde die Seite echt praktisch.

 

 

Cat-Lady | abc.etüden

Ich geh schon nicht weg, Katzenkind, sagt sie, als sie aufsteht und aufstöhnt. Die Hüfte. Der Rücken. Man wird nicht jünger. Sie hört, dass er schnurrt, streicht ihm über den Kopf, was das Schnurren verstärkt. Die Katzenaugen schließen sich.

Du hast es gut, denkt sie, als sie in die Küche schlurft und ihre eigene Unbeweglichkeit beklagt. Manchmal beneidet sie ihn, wenn sie ihn abends sieht, wie er auf dem Zaun balanciert und dann mit einem großen Satz in der Dunkelheit verschwindet, unterwegs auf seinen eigenen magischen Katzenwegen. Wobei die offensichtlich auch ziemlich angsteinflößend sein können – wer ist vorhin an ihr vorbeigeschossen, als sie die Tür geöffnet hat, als würde er verfolgt? Und wer ist eben eindeutig Schutz suchend auf ihren Schoß geklettert, damit sie die blutigen Risse in den Ohrmuscheln inspizieren konnte? Nachdem man sich den Bauch vollgeschlagen hat, natürlich, first things first. Nein, nicht tief, nur Kratzer, scheinbar nichts weiter passiert, aber glücklich, glücklich sah dieses zusammengekauerte Wesen heute früh nicht aus. Das wird ein Tag, an dem sie ihren Katzenkönig behüten muss, sie kennt das schon.

Sie gießt sich Kaffee ein und geht mit der Tasse zurück in ihr Wohnzimmer. Auf der Couch liegt ihre Strickjacke, die er in den letzten Tagen zu seinem Lieblingsplatz erklärt hat. Vermutlich, weil sie nach ihr riecht, sie mag es sich nicht anders erklären. Sie lässt sie für ihn dort liegen, sie kann sie später waschen. Er hat sich darauf zusammengekringelt und erwartet offensichtlich, dass sie sich wieder zu ihm setzt und die Zeitung liest. Sie kennen einander zu lange, als dass sie es nicht wüsste.

Schlaf ruhig, sagt sie. Ich bin ja da. Er reagiert nicht.

Sie betrachtet ihn versonnen und seufzt. Wie ging der Spruch? Das letzte Kind hat Fell? Sie nickt.

Kurios? Ihr doch egal.

 

abc.etüden 2019 19+20 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 19/20.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Katharina und ihrem Blog Katha kritzelt und lauten: Katzenauge, kurios, balancieren.

Neulich erklärte Myriade, dass sie vorhabe, im Alter eine Frau mit vielen Hüten zu werden, woraufhin ich entgegnete, ich strebte eine Karriere als Cat-Lady an. Nun denn. Hier ist ein Vorgeschmack.

Der Fellträger besteht darauf, dass alles fiktiv ist und er nur zu dekorativen Zwecken auf meinem Schoß sitzt. Ich lass das mal so stehen.

 

 

Schondeckchen | abc.etüden

Ich mache mir Gedanken. Ich spreche nicht gerne darüber, aber nun ja, ich muss es wohl eingestehen: Man wird älter und nutzloser. Also ich.
Nein, keine Sorge, es ist schon noch alles okay, ich fange nach wie vor diese pelzigen Dinger, die ich nicht mit reinbringen soll zum Essen, besonders nicht, wenn sie noch leben.
Mäuse, das war das Wort.
Ich werde auch dafür gelobt und gekrault.
Sogar nachts.
Okay, es sind nicht mehr so viele wie früher, aber die haben bestimmt auch abgenommen, natürlicher Schwund, Klimawandel, was weiß ich, man hört ja so einiges.

Was diese krakeelenden Flatterviecher angeht, muss ich allerdings zugeben, dass ich früher mal schneller war. Ihr ist das ganz recht, wenn ich die in Ruhe lasse, sagt sie, auch wenn ich immer noch wie ein junger Gott (ihre Worte, ist sie nicht nett?) auf einem dünnen Ast balanciere und die Bäume hoch und unter runter jage.

Alles wäre ziemlich gut, hätte sie nicht neulich in so einer Frauenzeitschrift einen Artikel gelesen, dass man Haustierhaare zu Wolle verarbeiten und verstricken kann. Danach hat sie mich so lange komisch angeschaut, dass ich mich auf ihren Schoß gelegt habe, um selbst einen Blick drauf zu werfen.
Ich solle mir keine Sorgen machen, hat sie plötzlich gesagt, sie fände derartige Ideen reichlich kurios.
Aber heute kam ein Paket mit einer Spezialbürste, und sie weiß genau, dass ich Bürsten hasse! Okay, ich bin eine gesunde, ausgewachsene Katze mit Krallen und Zähnen, sie kommt mir so schnell nicht an meine Unterwolle, auch wenn sie traurig guckt, mein Fell verwuschelt, etwas von „zu deinem Besten“ und „Och, armes verfilztes Wuschi-Puschi-Katzi“ säuselt! So heiße ich übrigens nicht, nur um das mal klarzustellen.

Also, Kollegen, es ist was im Busch. Katzenauge, sei wachsam! Falls ich mich nicht mehr melde, dann wisst ihr Bescheid.

 

abc.etüden 2019 19+20 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 19/20.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Katharina und ihrem Blog Katha kritzelt und lauten: Katzenauge, kurios, balancieren.

Darf ich bitte deutlich klarstellen, dass die erwähnte Katze fiktiv ist, bis auf die Tatsache, dass sich mein Fellträger tatsächlich nicht gerne bürsten lässt und definitiv nicht „Wuschi-Puschi-Irgendwas“ heißt? Es gab keinen Artikel irgendwo, aber ich weiß, dass man Haustierhaare zu Wolle verspinnen (lassen) kann, finde das bei normalen Katzen allerdings tatsächlich bisschen – äh – kurios. Besitzer von langhaarigen Hunden sehen das vielleicht anders.