Jagd | abc.etüden

Der Abend dämmerte, er war unterwegs. Wie so oft checkte er die Lage, reagierte auf die kleinsten Anzeichen. Irgendjemand hier, der ihm zusagen würde?

O ja! Er starrte sie unverhohlen an. Sie hatte alles, aber auch wirklich alles, was er mochte. Man hätte sagen können, dass ihm das Wasser im Munde zusammenlief, aber solche Begrifflichkeiten waren ihm fremd. Der unausweichliche Kampf versprach spannend zu werden. Hätte er in diesem Moment gedacht, hätte er zugeben müssen, dass er eine gewisse Gegenwehr genoss, aber auch das war ihm egal. Er beruhigte seinen aufgeregten Herzschlag und konzentrierte sich. Heute endlich mal wieder keine Abweichung vom Plan. Das Ziel so nahe vor Augen, war der Ausgang unabwendbar.
Unauffällig postierte er sich so, dass sich ihre Möglichkeiten, seinen Nachstellungen zu entgehen, auf zwei Wege verengten. Beide führten an ihm vorbei. Er war eindeutig am Zug.

Plötzlich ein Geräusch! Über ihm hatte ihn eine Elster entdeckt und begann zu keckern, eines dieser verdammten nervtötenden Viecher, die hielten das gefühlte Ewigkeiten durch!

Die Maus reagierte sofort, warf sich herum und erreichte das winzige Loch im Zaun, bevor eine bekrallte Pfote ihren Schwanz zu fassen bekommen konnte.
Der Durchschlupf war ihm doch glatt entgangen.
Der dicke Kater starrte ihr böse hinterher.

Die Elster hörte nicht auf zu lärmen, bis sie ihn abziehen sah. Keine Beute hier, auch nicht für sie. Schließlich flog sie davon.

 

abc.etüden 2019 23+24 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 23/24.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Werner Kastens und seinem Blog Mit Worten Gedanken horten und lauten: Abweichung, unabwendbar, verengen.

Mir war heute nicht nach was Ernstem, aber in meinem Hinterkopf sammelt sich was und gärt …

Dem Fellträger entwischen manchmal wirklich Mäuse. Katzen sehen offensichtlich sich bewegende Ziele viel besser als unbewegte und verlieren dann das Interesse, wenn sich das gewünschte Objekt totstellt. Wenn die Maus also die Übersicht behält, wo die Katze ist, scheint sie durchaus Chancen zu haben, jedenfalls bei meinem hier.

Oh, und Elstern fressen auch Fleisch und räubern Nester aus. So schön und klug, wie sie sind, es sind keine fliegenden Engel. Der Fellträger hasst sie aus den oben erwähnten Gründen, sie nerven ihn tierisch.

Wer hören möchte: hier klicken. Ich finde die Seite echt praktisch.

 

 

Werbeanzeigen

Cat-Lady | abc.etüden

Ich geh schon nicht weg, Katzenkind, sagt sie, als sie aufsteht und aufstöhnt. Die Hüfte. Der Rücken. Man wird nicht jünger. Sie hört, dass er schnurrt, streicht ihm über den Kopf, was das Schnurren verstärkt. Die Katzenaugen schließen sich.

Du hast es gut, denkt sie, als sie in die Küche schlurft und ihre eigene Unbeweglichkeit beklagt. Manchmal beneidet sie ihn, wenn sie ihn abends sieht, wie er auf dem Zaun balanciert und dann mit einem großen Satz in der Dunkelheit verschwindet, unterwegs auf seinen eigenen magischen Katzenwegen. Wobei die offensichtlich auch ziemlich angsteinflößend sein können – wer ist vorhin an ihr vorbeigeschossen, als sie die Tür geöffnet hat, als würde er verfolgt? Und wer ist eben eindeutig Schutz suchend auf ihren Schoß geklettert, damit sie die blutigen Risse in den Ohrmuscheln inspizieren konnte? Nachdem man sich den Bauch vollgeschlagen hat, natürlich, first things first. Nein, nicht tief, nur Kratzer, scheinbar nichts weiter passiert, aber glücklich, glücklich sah dieses zusammengekauerte Wesen heute früh nicht aus. Das wird ein Tag, an dem sie ihren Katzenkönig behüten muss, sie kennt das schon.

Sie gießt sich Kaffee ein und geht mit der Tasse zurück in ihr Wohnzimmer. Auf der Couch liegt ihre Strickjacke, die er in den letzten Tagen zu seinem Lieblingsplatz erklärt hat. Vermutlich, weil sie nach ihr riecht, sie mag es sich nicht anders erklären. Sie lässt sie für ihn dort liegen, sie kann sie später waschen. Er hat sich darauf zusammengekringelt und erwartet offensichtlich, dass sie sich wieder zu ihm setzt und die Zeitung liest. Sie kennen einander zu lange, als dass sie es nicht wüsste.

Schlaf ruhig, sagt sie. Ich bin ja da. Er reagiert nicht.

Sie betrachtet ihn versonnen und seufzt. Wie ging der Spruch? Das letzte Kind hat Fell? Sie nickt.

Kurios? Ihr doch egal.

 

abc.etüden 2019 19+20 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 19/20.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Katharina und ihrem Blog Katha kritzelt und lauten: Katzenauge, kurios, balancieren.

Neulich erklärte Myriade, dass sie vorhabe, im Alter eine Frau mit vielen Hüten zu werden, woraufhin ich entgegnete, ich strebte eine Karriere als Cat-Lady an. Nun denn. Hier ist ein Vorgeschmack.

Der Fellträger besteht darauf, dass alles fiktiv ist und er nur zu dekorativen Zwecken auf meinem Schoß sitzt. Ich lass das mal so stehen.

 

 

Schondeckchen | abc.etüden

Ich mache mir Gedanken. Ich spreche nicht gerne darüber, aber nun ja, ich muss es wohl eingestehen: Man wird älter und nutzloser. Also ich.
Nein, keine Sorge, es ist schon noch alles okay, ich fange nach wie vor diese pelzigen Dinger, die ich nicht mit reinbringen soll zum Essen, besonders nicht, wenn sie noch leben.
Mäuse, das war das Wort.
Ich werde auch dafür gelobt und gekrault.
Sogar nachts.
Okay, es sind nicht mehr so viele wie früher, aber die haben bestimmt auch abgenommen, natürlicher Schwund, Klimawandel, was weiß ich, man hört ja so einiges.

Was diese krakeelenden Flatterviecher angeht, muss ich allerdings zugeben, dass ich früher mal schneller war. Ihr ist das ganz recht, wenn ich die in Ruhe lasse, sagt sie, auch wenn ich immer noch wie ein junger Gott (ihre Worte, ist sie nicht nett?) auf einem dünnen Ast balanciere und die Bäume hoch und unter runter jage.

Alles wäre ziemlich gut, hätte sie nicht neulich in so einer Frauenzeitschrift einen Artikel gelesen, dass man Haustierhaare zu Wolle verarbeiten und verstricken kann. Danach hat sie mich so lange komisch angeschaut, dass ich mich auf ihren Schoß gelegt habe, um selbst einen Blick drauf zu werfen.
Ich solle mir keine Sorgen machen, hat sie plötzlich gesagt, sie fände derartige Ideen reichlich kurios.
Aber heute kam ein Paket mit einer Spezialbürste, und sie weiß genau, dass ich Bürsten hasse! Okay, ich bin eine gesunde, ausgewachsene Katze mit Krallen und Zähnen, sie kommt mir so schnell nicht an meine Unterwolle, auch wenn sie traurig guckt, mein Fell verwuschelt, etwas von „zu deinem Besten“ und „Och, armes verfilztes Wuschi-Puschi-Katzi“ säuselt! So heiße ich übrigens nicht, nur um das mal klarzustellen.

Also, Kollegen, es ist was im Busch. Katzenauge, sei wachsam! Falls ich mich nicht mehr melde, dann wisst ihr Bescheid.

 

abc.etüden 2019 19+20 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 19/20.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Katharina und ihrem Blog Katha kritzelt und lauten: Katzenauge, kurios, balancieren.

Darf ich bitte deutlich klarstellen, dass die erwähnte Katze fiktiv ist, bis auf die Tatsache, dass sich mein Fellträger tatsächlich nicht gerne bürsten lässt und definitiv nicht „Wuschi-Puschi-Irgendwas“ heißt? Es gab keinen Artikel irgendwo, aber ich weiß, dass man Haustierhaare zu Wolle verspinnen (lassen) kann, finde das bei normalen Katzen allerdings tatsächlich bisschen – äh – kurios. Besitzer von langhaarigen Hunden sehen das vielleicht anders.

 

Schröder, übernehmen Sie! | abc.etüden

Heute war wieder einer dieser Tage, wo er ihr nichts recht machen konnte. Dabei war er an den Winterreifen ohne vorwurfsvollen Seitenblick vorbeigegangen (sehr schmutzig, jemand würde sich darum kümmern, aber nicht er) und hatte die wehende, trocknende Wäsche ignoriert (sowieso nicht seine Aufgabe). Doch einfach nur draußen auf der Bank in der Sonne sitzen, seinen Gedanken nachhängen und die frisch erblühten Krokusse bewundern, das durfte er offensichtlich auch nicht.

Er hörte, dass sie am Telefon sprach. Bestimmt mit ihrer komischen Freundin.
„Wenn das jeder hier machen würde! Weißt du, manchmal würde ich am liebsten alles hinschmeißen und mich auch raus in die Sonne setzen und darauf warten, dass wer mit Kaffee und Kuchen vorbeikommt. Aber nein, an mir bleibt wieder mal alles hängen. Hier sieht es aus, das kannst du dir gar nicht vorstellen! Gestern Abend bin ich gestolpert und fast hingeschlagen, weil hier keiner seinen Dreck alleine wegmachen kann, nicht mein wertgeschätzter Ehemann und die Kids schon mal gar nicht. Was glauben die, wer ich bin, die Putzfrau? Ich sag’s dir, ich hab so einen Hals, SO EINEN HALS, glaub mir.“

Weia. Das roch nicht nur nach dicker Luft, das klang nach Krise. Er war insgeheim überzeugt, dass sie ein bisschen eifersüchtig auf ihn war, weil er das Leben so gelassen anging. Schröder, übernehmen Sie! Deeskalierende Maßnahmen waren dringend angezeigt.

Den Kaffeepott in der einen Hand, das Handy in der anderen kam sie zu ihm und ließ sich neben ihn fallen. Sie schloss die Augen und hielt das Gesicht in die wärmende Vorfrühlingssonne. Amseln und Meisen machten Radau, sonst war alles friedlich. Auch sie.

„Na?“, sagte sie irgendwann vorsichtig in seine Richtung.
Geht doch, dachte er.

Langsam stand er auf, setzte sich auf ihren Schoß, rollte sich zusammen, blinzelte noch einmal in die Sonne und begann zu schnurren.

 

Etüden 2019 06+07 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 06/07.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Petra Schuseil und lauten: Winterreifen, eifersüchtig, stolpern.

Ja nee, ist klar, oder? Fellträger neigen dazu, sich selbst als den Nabel des Geschehens zu begreifen, was jede*r Dosenöffner*in weiß. Außerdem haben sie meist eine eigene Meinung zu allem. Manchmal schweigen sie allerdings auch. Mehr oder weniger.

Ulli hat ihre letzte Etüde in den Kommentaren spaßeshalber als „Plattitüde“ bezeichnet. Ich werde etwaige Fellträger-Etüden ab jetzt (daran angelehnt) „Kattitüden“ nennen, danke schön! Und: Hatte nicht neulich schon mal wer „… übernehmen Sie“ im Titel, oder bilde ich mir das nur ein?

 

Mainacht | abc.etüden

„Sag mal, musstet ihr Typen wieder wetteifern, die schönste Braut im Ort zu beeindrucken, oder was sollte das gestern Nacht?“
„…?“

„Ich habe dich nämlich gesehen, als ihr wie bescheuert bei dem Maibaum zugange wart, du musst gar nicht so harmlos gucken! Ich meine, das in deinem Alter, Respekt!“
„…?“

„Und hinterher einen drauf machen, in der Lautstärke, das gehört dann zum guten Ton, vermute ich. Eure Kriegsgesänge waren jedenfalls ziemlich galaktisch, sagte Frau Schuster, ja, die, die Alte, die neben dem Grillplatz wohnt, die Ärmste.“
„…!“

„Du bist echt ein Spinner.“
„MI-AU?!?“

 

2018_18_1_eins lz | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Für die abc.etüden, Woche 18.2018: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Frau Vro und lauten: Maibaum, galaktisch, wetteifern.

Tschuldigung, ich konnte der Versuchung nicht widerstehen.  ;-)

„Catsplaining“ nennt man das, habe ich auf dem Blog von den keinzahnkatzen erfahren (Katzenmenschen: LESEN!), nachzulesen auch hier im urbandictionary, oder ganz kurz meine Definition: mit dem Fellträger sprechen, als ob er menschlich wäre. Nicht dass ich das nicht eh täte, nur antwortet er nicht so regelmäßig.

 

Puschel und die Weltherrschaft | abc.etüden

Von wegen Frühjahrsmüdigkeit, alles nur Tarnung, ER schlief doch nicht …
Er plante die Weltherrschaft, schließlich war er Megakatz, der Schrecken der Finsternis, vor dem die kleinen Tiere zitterten, sich ängstlich duckten oder flohen, wenn er mit seinen ekstatischen Schreien die Nacht erfüllte und mit seinen roten Augen die Dunkelheit durchbohrte! 

Äh, Hilfe, was?!? Er fuhr empor und war so erschrocken, dass sein Herz raste und er orientierungslos dasaß und verwirrt in das Zimmer starrte.

„Nein, schau ihn dir doch an, er ist ja sooooo süüüüüß“, erklang prompt die Stimme seines Frauchens, „sieht er nicht aus, als ob er eine Eule wäre mit diesen großen bernsteinfarbenen Augen?“

Bernstein, nicht ROT! Er war erleichtert. Und auch wenn er nun wirklich nicht Wuschel-Puschel-Kuschel-Irgendwas hieß, wie sie ihn immer nannte, besonders, bevor sie ihm das Fell durcheinanderbrachte, und auch keinen Wert darauf legte, „süüüüß“ gefunden zu werden, so schien doch alles mit ihm okay zu sein, sonst hätte sie sich wahnsinnig aufgeregt. Vielleicht sollte er später nicht zu lange draußen bleiben, nur für alle Fälle, man wusste ja nie, wer nachts so unterwegs war.

Beruhigt rollte er sich auf der Couch zu einer Pelzkugel zusammen, bohrte den Kopf in eine Decke und schnurrte zufrieden, bevor er wieder wegdämmerte.

 

2018_12_2_zwei lz | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Für die abc.etüden, Woche 12.2018: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Frau Vro und lauten: Frühjahrsmüdigkeit, ekstatisch, schnurren.

Bei der Herstellung dieser Etüde wurde das Ego des Wuschel-Puschel-Kuschel-Irgendwas NICHT beeinträchtigt, lässt er ausrichten. Er steht da nämlich drüber.

 

Meeting | abc.etüden

„Na, mein Schatz, wie war denn dein Meeting? Ich hab schon mitbekommen, dass ihr euch gegenseitig einen Knopf an die Backe gequasselt habt, bevor ihr losgezogen seid. Also nichts mit Stress und Anschreien und sich hüten müssen, ein falsches Wort zu sagen?“

„…“

„Ah, okay, der Herr zieht es vor zu schweigen, auch gut. War es vielleicht doch nicht so toll? War der Kerl mit den komischen roten Augen auch wieder mit? Immerhin bist du rechtzeitig zum Frühstück zu Hause. “

„Miau?“

„Komm doch erst mal rein.“

 

2018_10_1_eins lz | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Für die abc.etüden, Woche 10.2018: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von M.Mama und lauten: Knopf, zeitig, hüten.

Und nein, ich sage normalerweise nicht „mein Schatttttzzzzz“ zu einem gewissen Fellträger, und nein, weder SEINE noch meine Augen sind rot …  ;-)

 

Schnurr um dein Leben | abc.etüden

Beim Öffnen der Wohnungstür unverhofft auf die ältliche Madame von der Hausverwaltung zu treffen war erheblich unangenehmer, als wöchentlich im Beichtstuhl erfundene Sünden zu gestehen.

„Frau Neumann, es heißt, Sie hielten eine Katze, Sie wissen …“

Zuerst war ihr erster Impuls, alles abzustreiten, aber das Kätzchen machte ihre Bestrebungen zunichte, indem es sich zwischen ihrem Bein und dem Türrahmen hindurchdrängte und sich vor ihr auf die Fußmatte setzte. Marie nahm es sofort auf den Arm, wo es kräftig nieste und prompt durchdringend zu schnurren begann.

„Sie lag fast verhungert unten in einer unserer Mülltonnen!“

Mehr sagte sie nicht, mehr war auch nicht nötig, die Anklage gegen die Welt reichte aus. Fasziniert beobachtete Marie die Verwandlung im Gesicht der plötzlich sehr mütterlich wirkenden Verwalterin von Haus und Hof, die vorsichtig einen Zeigefinger ausstreckte, um das schwarz glänzende Geschöpfchen hinter den Ohren zu kraulen, was mit noch lauterem Schnurren und behaglich zusammengekniffenen Augen quittiert wurde. „Was für eine Knutschkugel“, seufzte sie schließlich, „nein, die Kleine konnten Sie unmöglich sich selbst überlassen, die ist ja höchstens acht Wochen alt!“

Sie gab sich einen Ruck und gewann einen Teil ihrer gewohnten Strenge zurück: „Okay, sehen Sie zu, dass sie ruhig bleibt und keiner der Nachbarn sich beschwert. Was mich angeht, ich war offiziell nie hier, ich werde so lange wie möglich tun, als wüsste ich von nichts.“

 

2017_37.17_zwei_lz | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Für die abc.etüden, Woche 37.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von lz. und lauten: Knutschkugel, Verwandlung, Beichtstuhl.

 

Merken

Merken

Merken

Regenetüde | abc.etüden

Der Regen hatte sich seinen großen Auftritt nicht entgehen lassen, es strömte seit Stunden nur so herab. Schön, wenn es denn sein musste, aber warum hatte der Sturm das alte Vogelnest dann nicht an seinem Platz gelassen, vorhin war es ihm fast auf den Kopf gefallen. Selbst der Baum tropfte, ganz zu schweigen von den Lachen auf dem Gehweg, die er sorgfältig umgangen hatte, weil er Nasswerden hasste.

Warum machte sie nicht auf?
War er zu leise gewesen, war der Wind vielleicht zu laut?
Schlimmer: Musste er sich Sorgen machen?

Da!

Sie öffnete die Haustür und seufzte beim Anblick des triefenden Geschöpfes. Sinnlos, sich schlafend zu stellen, selbst zu nachtschlafender Zeit, wenn der Fellträger auf dem Dach krakeelte und Abgetrocknet-Werden*, Ansprache und Futter einforderte.

Eine Viertelstunde später kuschelten sie sich beide ins Bett; sein zufriedenes Schnurren beim Putzen vermischte sich mit ihrem ruhigen Atem und dem gleichförmigen Rauschen, das von draußen hereindrang.

 

* Es gibt ja Leute, die der Meinung sind, ich verzöge meine Katze. Denen sei lediglich Folgendes erwidert: Möchtet ihr eine tropfnasse Katze oder eine erheblich trockenere Katze im Bett? Denkt doch mal praktisch. Denn dass er ins Bett darf (schließlich ist er kein Hund und es liegt extra für ihn eine Decke darauf), steht eindeutig nicht (mehr) zur Diskussion. Zu Hause gewähre ich ihm das Recht, dort zu sein, wo ich bin. Mit wenigen Ausnahmen.  ;-)

 

lz abc.etueden schreibeinladung 3 karin 26.17 | 365tageasatzadayVisuals as usual: ludwigzeidler

 

Aus aktuellem Anlass: Seit heute Nacht rauscht hier der Regen, mal stärker, mal schwächer. Ich finde es gemütlich (wir haben zum Glück kein Landunter wie die Berliner), der Fellträger inzwischen auch wieder.

Für die abc.etüden, Woche 26.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Karin und lauten: Vogelnest, sinnlos, Auftritt.

 

Merken

Merken

Serienkiller | abc.etüden

Der alte, begrünte Erdbunker war ein Hort bittersüßer Erinnerungen für die Alten und seine Mauern zu dick, um mal eben von der örtlichen Baufirma abgerissen zu werden, deshalb stand er noch. Ihm allerdings lagen sentimentale Begründungen fern, Hauptsache, ER blieb dort ungestört, dort in seinem Revier.

Es hätte sich wirklich schon herumgesprochen haben können, dass zwischen den Sommerblüten kein sicherer Platz war, er war ja nicht erst seit gestern hier. Schrille Schreie und hin und wieder Knochen, das Übliche, obwohl er normalerweise sehr sorgfältig war, was Überreste anging.

Aber sie waren ja alle so dumm.

Da, schon wieder bog eine Neugierige um die Ecke, was für ein Glück er dieser Tage doch hatte! Sein Trieb ging mit ihm durch und ließ ihr nicht den Hauch einer Chance. Er war sogar zu ungeduldig, um noch lange mit ihr zu spielen. Bei der nächsten vielleicht wieder.

Der große Tigerkater packte sein lebloses Opfer im Nacken, schleppte die fette Maus zu seinem Lieblingsplatz im Schatten des Türsturzes und begann, sie genüsslich zu verspeisen.

 

lz abc.etueden schreibeinladung 2 wortgeflumselkritzelkram 24.17 | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Kurz und knackig.  :-D  Ich gebe zu, dass der Witz nicht neu ist.
Gewidmet einem gewissen Fellträger, der laut schmatzend in der letzten Nacht … ihr wisst schon.

Euch einen schönen Feiertag, falls ihr habt (Hamburg nicht).

Für die abc.etüden, Woche 24.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Sabine (wortgeflumselkritzelkram.wordpress.com) und lauten: Bunker, Sommerblüten, bittersüß.

 

Merken

Merken

Merken

Merken

Ein Herz für Schlawuzis | abc.etüden

„Alles nur Kinkerlitzchen und Firlefanz!“, donnerte der alte Herr, bevor er mit einem vernichtenden Blick Richtung Fenster die Küche verließ. „Du und dein weiches Herz! Ich sage dir jetzt schon, dass das ein Schlawiner ist, der nur deine Gutmütigkeit ausnutzt, bevor er wieder abhaut!“

Oh. Schlawiner war aus dem Mund ihres Opas eine sehr harsche Verurteilung. Andererseits hatte er den Krieg überlebt und bitter erfahren müssen, dass alles, was man liebte, morgen bereits verloren sein konnte. Konnte sie ihm dafür böse sein, dass er sie vor dem Schmerz bewahren wollte, den er als unvermeidlich ansah?

Ach, die Zeiten waren wirklich lange vorbei, da sie Kind gewesen war und noch gedacht hatte, Paradeiser wäre die Mehrzahl von Paradies. Sie schnippelte weiter Tomaten in den Salat für heute Abend und sah nun ihrerseits zur Fensterbank. Wie auf ein Stichwort erhob sich der schmächtige Schlawuzi und kam zu ihr, rieb seinen Kopf an ihrer Wade und erfüllte die Küche mit seinem Schnurren.

 

lz abc.etueden schreibeinladung 1 pinselfisch 18.17 | 365tageasatzadayvisualdressing: atelierludwigzeidler

Für die abc.etüden, Woche 18.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Jule Pfeiffer-Spiekermann (pinselfisch) und lauten: Paradeiser, Schlawiner, Kinkerlitzchen.

Ihr kennt die Regel Nummer 1: Rilke geht immer. Wenn die Regel nicht greift, tritt Regel Nummer 2 in Kraft: Katzen regieren die Welt! Also mein Fellträger zumindest findet das völlig zutreffend.

 

Unwiderstehlich | abc.etüden

Groß, geschmeidig, elegant: So sahen Schwierigkeiten aus, er wusste es. Er hatte sie schon die ganze Zeit beobachtet, wie sie die Terrasse des Cafés überquerte und über die Treppenstufen nach drinnen steuerte. Wo sie ihn entdecken und auf ihn zuhalten würde, es war nur eine Frage der Zeit. Er hatte eben diese Wirkung.

Seine Mutter hingegen würde wieder einmal ausflippen. Neulich erst hatte sie ihn vor ihrem Damenkränzchen als egoistischen Genussmenschen beschimpft, der keinerlei Rücksicht auf ihre angegriffene Gesundheit nähme und dessen Impulsivität sie noch einmal ins Grab brächte.

Und wer dachte eigentlich an ihn, fragte er sich, als sie an seinem Tisch angelangt war und ihn anstarrte. Vorsichtig stellte er den Milchkaffee auf den Tisch und schob seinen Stuhl zurück. Ein Wort genügte: „Komm!“

Die graue Katze sprang auf seinen Schoß, reckte Kopf und Schwanz nach oben und schnurrte los, als er sie zu kraulen begann.

 

textstaub abc.etueden schreibeinladung 15.17 | 365tageasatzadayQuelle: textstaub.wordpress.com | atelier lz

 

Für die abc.etüden, Woche 15/ 17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Carmen | gingerpoetry (Wortwabe) und lauten: Treppenstufen, Milchkaffee und Komm!

 

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken