Dummes Fleisch | abc.etüden

In der Szene nannte man sie die „skrupellose Lady“. Anfangs hatte sie noch versucht richtigzustellen, dass sie „skrupulös“ war, nicht „skrupellos“, aber die meisten kapierten den Unterschied nicht. Okay, dann eben mit Grusel, umso besser fürs Geschäft.

Bei ihr musste alles stimmen. Sie hatte es gern exakt und nach ihrem Willen. Und den setzte sie durch, damit die Ergebnisse dem nahekamen, was sie sich vorstellte. Sie hatte eine gewisse Handschrift und schließlich auch einen Ruf zu verteidigen, nicht wahr? Selbst ihr Vater, der es besser hätte wissen können, hatte nicht verstanden, dass bestimmte Dinge in einer bestimmten Reihenfolge geschehen mussten, um befriedigend zu sein. War es nicht überwältigend, wenn man seine Berufung entdeckte? Das, was den ureigenen inneren Instinkten entsprach? Manchmal beschrieb sie sie als eine Verbindung von Akkuratesse und künstlerischer Ader.

Sie sah konzentriert und leicht abschätzig auf den Körper hinunter, der verkrampft vor ihr lag und tatsächlich ein wenig zuckte. Ein Kunstwerk war im Entstehen. Schade, dass anscheinend nur sie das so sah, sonst hätten sie den Genuss vielleicht sogar teilen können, den der Akt und das Blut – nie viel! – gelegentlich bei ihr auslösten. Hatte sich das Jüngelchen vorhin ernsthaft über „schneidende Schmerzen“ beklagt?! Weichei.

Ein Spruch fiel ihr ein: „In jedem Mann steckt hin und wieder auch was Gutes. Zum Beispiel ein Küchenmesser.“ Was glaubte der hier denn eigentlich, wo er war? Unterzog sich freiwillig – freiwillig! – einem Männlichkeitsritual und jammerte? Tja, durchgefallen, mein Lieber, eindeutig durchgefallen. Nur dummes Fleisch, einer mehr.

Lächelnd kniff sie die Augen zusammen. Zog mit ruhiger Hand eine allerletzte Linie nach und ließ die Tattoomaschine sinken. Fertig.

 

2018 41+42 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Woche 41/42.2018: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Gerda Kazakou und lauten: Genuss, skrupulös, schneiden.

Den Spruch habe ich wirklich vor ein paar Tagen im Radio gehört (als Werbung für die Show im Hamburger Quatsch Comedy Club). Und natürlich sind alle Tätowierer*innen, die kennenzulernen ich jemals die Ehre hatte, charakterlich über jeden Zweifel erhaben, aber … ich habe noch nie festgestellt, dass alle Menschen den Ehrgeiz haben, als Engel in die Geschichte einzugehen. Ihr versteht.

 

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Ruhestörung | abc.etüden

„… ich nehm den Schmerz von dir, ich nehm den Schmerz von dir“, zerschnitt lauter männlicher Gesang die nächtliche Stille.
Sie fuhr hoch.
5:25 Uhr.
Himmelherrgott! Halt die Klappe, Adel Tawil! Wo ging das Scheißding bloß aus?
Ihre Hand ertastete auf der Oberseite des Brüllwürfels einen großen Button, den sie probehalber drückte. Ah! Erfolg! Paradiesische Stille. Sie ließ sich in die Kissen zurücksinken.

Da hatte man schon mal das Privileg, dass einem die liebste Freundin das eigene Schlafzimmer abtrat, und dann hatte diese vergessen, den Wecker abzustellen. Am Wochenende! Gerade wollte sie sich wieder in die Kissen kuscheln und sich noch einige Stunden dem Genuss eines jetzt hoffentlich ungestört bleibenden Schlafs hingeben, als sie sich erinnerte, dass die Problemlösung „Snooze“ wohl maximal zehn Minuten vorhielt.
Mürrisch knipste sie das Licht an. Den Stecker herauszuziehen war leider keine Option, nur kannte sie sich mit Radioweckern im Allgemeinen und diesem im Besonderen nicht wirklich aus. Also untersuchte sie das antiquierte Teil skrupulös nach einem Schalter, der den Wecker deaktivieren würde. Bis sie ihn gefunden hatte, war sie endgültig wach. Großartig.

Jetzt schon die Freundin im anderen Zimmer zu wecken kam nicht infrage. Blogpflege auch nicht, dies war allein ihre Zeit. Offline. Entschlossen streckte sie sich wieder aus, zog die Decke hoch und forderte ihren Körper auf, sich zu entspannen.

Es gelang, ihre Gedanken beruhigten sich. Nicht mal die am Tag vorher müde gelaufenen Füße taten weh. Sie fühlte sich geborgen und sogar ziemlich fröhlich in ihrem fremden und doch von vorherigen Besuchen so vertrauten Schlafnest. Der Morgen wehte erste Straßengeräusche durch das gekippte Fenster herein.
Als es ihr endlich auffiel, lächelte sie. „Ich nehm den Schmerz von dir.“ Das war mal ein Versprechen, an das sie sich gern erinnern würde. Erneut glitt sie in das Reich ihrer Träume zurück.

298 Wörter

 

2018 41+42 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Woche 41/42.2018: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Gerda Kazakou und lauten: Genuss, skrupulös, schneiden.

Das angesprochene Lied, das da aus dem Radiowecker quoll, ist übrigens „Vom selben Stern“ von Ich + Ich (Link zu YouTube), und ja, das ist wirklich so passiert.

 

Schreibeinladung für die Textwochen 41.42.18 | Wortspende von Gerda Kazakou

Liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, DAMIT hätte ich ja nicht gerechnet: Die Etüden wachsen wieder! Gehofft, ja, klar, aber gerechnet nie!
Da sie beim letzten Mal so gut aufgenommen wurde, habe ich dieses Mal nachgezählt und präsentiere hier die Statistik: 29 Etüden von 15 Leuten, ich inklusive. Das sind 6 Etüden mehr als beim letzten Mal! Und nein, das ist komplizierter, als es aussieht, das heißt nicht, dass etwa jede/r Mitschreiber/in (knapp) zwei Etüden abgeliefert hätte: Myriade ist die Autorin von alleine sechs und Agnes von vier! Und da Agnes neu eingestiegen ist UND sich gleich zu einer Fortsetzungsgeschichte hat hinreißen lassen, geht der Gummibaum der Woche eindeutig an beide. Klar, oder? (Und hey, Bettina ist aus ihrer Schreibpause zurück, wie schön!)

Hier also wieder eine Übersicht derer, die in den letzten beiden Wochen mitgemacht haben. Ich habe (hoffentlich) alles drin, ansonsten bitte ich um Nachmeldungen.

dergl auf Die Tinterkleckse sehen aus wie Vögel: hier und hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier und hier und hier (Durch das Polarmeer 1–3);  hier und hier (Öffnung 1 + 2); hier
Viola auf viola-et-cetera: hier
Anna-Lena auf Meine literarische Visitenkarte: hier und hier
Bernd auf Red Skies over Paradise: hier und hier
Frau Flumsel auf Wortgeflumselkritzelkram: hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier und hier
Agnes auf Agnes Podczeck: hier und hier und hier und hier (Reisen für eine bessere Welt 1–4)
Natalie im Fundevogelnest: hier
Ulli aus dem Café Weltenall: hier
Frau Vro auf vro jongliert: hier und hier
Bettina auf Wortgerinnsel: hier
Gerda auf GERDA KAZAKOU: hier und hier
Werner hat in den Kommentaren ein PDF eingeliefert: hier
Rina auf Geschichtszauberei: hier

Vielen Dank euch allen!

Und jeeeeeeetzt *die Spannung steigt ins Unermessliche* die neuen Wörter!
Die Wörter für die Textwochen 41 und 42 im Jahr 2018 spendete Gerda Kazakou. Sie lauten:

Genuss
skrupulös
schneiden.

 

Neuer Etüden-Disclaimer: Die neue Headline heißt: 3 Begriffe in maximal! 300 Wörtern.
Wenn jemand nicht weiß, wie er/sie die Wörter gezählt bekommt, bitte melden!
Euren Beitrag verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin (immerhin, das ist geblieben) und/oder (am besten „und“) postet den Link unten in einen Kommentar (oder gleich die ganze Etüde, wenn ihr keinen Blog habt oder es bei euch nicht passt), damit eure Etüde auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gefunden werden kann.
Die Illustrationen unterliegen meinem Copyright und glaubt mir, ich hatte RICHTIG Spaß beim Gestalten! Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig.

Oh, und die nächsten Wörter gibt es am 21. Oktober. Euch viel Spaß und zwei inspirierte Wochen!

 

2018 41+42 | 365tageasatzaday

 

2018 41+42 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, hier und hier, Bearbeitung von mir

 

Die Vorführung | abc.etüden

Nachdem er bemerkte, wie viele Leute zusammenliefen, um ihm zuzusehen, fühlte er sich plötzlich wie der allerletzte Trottel. Ebenso gut hätte er gleich ankündigen können, eine Jungfrau zersägen zu wollen. Einige wenige gab es, die achtungsvoll das aufgebaute Equipment beäugten, um dann nach hinten zu verschwinden – sicherer Abstand zum Geschehen, besserer Blick von der Schräge aus, weil man dort höher stand.

Sollten sie doch, es war ihm egal. Das Einzige, was ihn wirklich brennend interessierte, war, ob SIE gekommen war, wie sie es ihm versprochen hatte, sie, um derentwillen er sich zum Affen machte, sie, um derentwillen er wochenlang immer wieder heimlich geübt hatte. Ja, da stand sie, ganz vorn in der ersten Reihe, strahlte in seine Richtung und warf ihm eine Kusshand zu.

Er startete die Musik, atmete noch einmal tief durch – jetzt bloß nicht zittern –, schritt nach vorn, verbeugte sich würdevoll vor seinem Publikum, und während vom Band der immer lauter werdende Trommelwirbel erklang, ergriff er den Säbel und köpfte die vorbereitete Champagnerflasche mit einem einzigen gekonnten Schlag. Deren Kopf prallte mit großer Wucht ein paar Meter entfernt gegen die Garagenwand; das kümmerte aber keinen, denn alle Augen waren nur auf ihn gerichtet: wie er die herausschießende Fontäne abwartete, dann vollkommen beherrscht eine der bereit stehenden Champagnerschalen füllte, aus der Tasche seiner Weste den Ring herausfischte, ihn hineingleiten ließ und mit ein paar Schritten die Distanz zu IHR überbrückte, bevor er vor ihr auf die Knie fiel, den Kopf senkte und ihr den Champagner wortlos wie einen Pokal entgegenstreckte. Jäh durchzuckte ihn die Frage, wie er jemals wieder aufstehen sollte, denn seine Beine fühlten sich an wie Pudding und sein Herz raste, aber dann hörte er sie aufschluchzen und „Oh Jan – ja, ich will!“ rufen und wusste, alles war gut und würde es immer sein.

 

2018_23_2_zwei lz | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Für die abc.etüden, Woche 23.2018: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Gerda Kazakou und lauten: Schräge, brennend, köpfen.

Nein, ich bin weder kitschig noch habe ich eine theatralische Ader, wie kommt ihr denn bloß darauf??? Aber mich hat zugegebenerweise dies hier (Link zu YouTube) inspiriert …  ;-)
Ich wusste, dass ich zu „köpfen“ nichts Tagespolitisches schreiben will, und als ich darüber nachdachte, was ich denn dann köpfen wollen würde, landete ich bei Champagner. Und warum nicht bisschen übertreiben, getreu dem guten alten Motto: Bringe deine Protagonisten in Schwierigkeiten?
Seht mir bitte die Bandwurmsätze nach, ich finde, sie lesen sich nicht zu fürchterlich.

 

Schreibeinladung für die Textwoche 23.18 | Wortspende von Gerda Kazakou

Früher, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, dachte ich mal, dass sich nur alte Leute ständig über das Wetter oder ihren Gesundheitszustand unterhalten würden. Und jetzt erwische ich mich dabei, dass ich die Blogs durchstöbere und Bekundungen zum Thema Wetter ausnehmend interessant finde. Wie, bei euch hat es auch schon so lange nicht mehr geregnet? Wie, bei euch hat es die letzte Nacht auch so heftige Gewitter gegeben? Also, ich kann dir sagen …
Okay, das Thema Krankheiten wird für einen präsenter, wenn man älter wird, das sieht man nicht, wenn man jünger ist und „nichts“ hat – wobei die Anzahl derer auch gefühlt stark abnimmt bei all den Allergien und Unverträglichkeiten, die jetzt so im Schwange sind. Wobei ich mal gelesen zu haben glaube, dass die Folgen falscher Ernährung sich massiv erst so ca. 30 Jahre nach dem Beginn selbiger zeigen würden. Soll heißen, wer so ca. mit 20 Mutters gute, ausgewogene (*flöt*) Küche verlassen hat und zu Fisch & Chips, McDoof und Pizza übergegangen ist, der spürt es erst mit 50+. Gibt mir das zu denken? Ja.

Ich werde alt. Okay, älter. Überraschung.

Nichtsdestotrotz (steile Kehrtwende), ihr Lieben, kommt hier die Wortspende für die ohne jeden Zweifel entzückende Textwoche 23.18. Stifterin ist Gerda Kazakou (gerdakazakou.com), die die meisten von euch kennen werden, ist sie doch mit ihren Kata-Strophen (und nicht nur mit denen) eine wertgeschätzte Etüden-Mitschreiberin der ersten Stunde. Ihre Wörter lauten:

Schräge
brennend
köpfen.

 

Ich hoffe, ihr habt immer noch/wieder Spaß, daraus eine Geschichte zu basteln. Wie immer, ihr wisst: Diese 3 Wörter bitte in maximal! 10! Sätzen unterbringen! Auch in dieser Woche stammen die Illustrationen von dem werten Herrn lz., vielen Dank, Ludwig!
Euren Beitrag verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder (am besten „und“) postet den Link unten in einen Kommentar (oder gleich die ganze Etüde, wenn ihr keinen Blog habt oder es bei euch nicht passt), damit eure Etüde auch ganz sicher von Gerda und mir und von allen, die es interessiert, gefunden werden kann.

 

2018_23_1_eins lz | 365tageasatzaday

 

2018_23_2_zwei lz | 365tageasatzaday

 

Süße Versuchung | abc.etüden

Friss nicht so viel Süßes, sonst wirst du fett und dann stirbst du. Das kleine, brave Mädchen in ihr zuckte bei dieser Drohung immer noch zusammen, die Erwachsene hielt dem Verdikt cool ihr trotziges „Das wollen wir doch mal sehen“ entgegen. Sie hatte allerdings schlucken müssen, dass sie Diabetes in der Familie hatte und daher sogar damit rechnen konnte, eine genetische Disposition bescheinigt zu bekommen, was sie mit ihrem Schicksal auch nicht versöhnte, speziell nicht zu Ostern oder Weihnachten.

Unabhängig von ihrer Familiengeschichte war nämlich leider Fakt, dass sie in akuter Gefahr war, sabbernd auszurasten, wenn sie die beiden Packungen mit Nougatgedöns (eine war zu wenig; eine war für die Gier, die andere für den Genuss) auch nur länger ansah, die beim Einkaufen irgendwie scheinbar zufällig in ihren Wagen gelangt waren. Knapp sieben Wochen hatte sie jetzt Zucker gefastet, hatte sich bis auf den Zucker im Kaffee alle Süßigkeiten verkniffen, sogar Marmelade und Honig, um sich selbst zu beweisen, dass sie es konnte. Erfolgreich, jawohl, und ihre heiß geliebten Nougateier waren eine Belohnung, die sie sich redlich verdient hatte, oder etwa nicht?

Nein, sie würde jetzt nicht auf den letzten Metern schwach werden. Der Nougat würde den Ostersonntag erleben und „Schlemmen nach Herzenslust“ hieß schon mal gar nicht, alles ohne Luftholen in sich hineinzustopfen!

Sie pfefferte die Packungen ganz nach hinten in den Schrank und verdrängte den Gedanken an zart schmelzende Schokolade im Mund.

Nur noch vier verdammte Tage.

 

2018_13_2_zwei lz | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Für die abc.etüden, Woche 13.2018: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Gerda Kazakou und lauten: Herzenslust, brav, versöhnen.

Ja nee, ich nicht, wirklich nicht, Zucker ist zufällig nicht meine Baustelle. Ich gehöre aber zum Beispiel zu den Leuten, die keine Tüte Chips offen herumliegen lassen können (schmecken am nächsten Tag eh nicht mehr), und wer jemals irgendwas gierig gefressen hat (und ich meine wirklich „gierig gefressen“, und nicht aus Hunger), der sollte mit dem Gefühl hinter der Etüde was anfangen können. Bei den netten Verbrämungen sind wir dann wieder alle ziemlich individuell, denke ich.

 

Schreibeinladung für die Textwoche 13.18 | Wortspende von Gerda Kazakou

Eher sanft, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, geht es in der neuen Woche bei den Etüden zu, oder? Nun, wie immer bin ich gespannt, ob ihr die neuen Wörter eher mit dem oder eher gegen den Strich bürsten werdet, wie immer bin ich sehr neugierig, was euch (und mir) dazu einfallen wird. Von Ostern bis … wie immer sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt.

Hier also die Wörter für die Textwoche 13.18, gestiftet von Gerda Kazakou, Malerin und Schreiberin (gerdakazakou.com), die im schönen Griechenland lebt, und sie lauten:

Herzenslust
brav
versöhnen.

Die berühmten letzten Worte: Diese 3 Wörter sind in maximal! 10! Sätzen unterzubringen, wie immer stammen die Illus aus der Kamera/Feder des werten Herrn lz., vielen Dank, Ludwig!
Euren Beitrag verlinkt ihr dann bitte wie gewohnt hierhin und/oder (am besten „und“) postet den Link unten in einen Kommentar (oder gleich die ganze Etüde, wenn ihr keinen Blog habt oder es bei euch nicht passt), damit eure Etüde auch ganz sicher von Gerda und mir und von allen, die es interessiert, gefunden werden kann.

 

2018_13_1_eins lz | 365tageasatzaday

 

2018_13_2_zwei lz | 365tageasatzaday

 

Schwester | abc.etüden

Sybilla starrte auf das halbamtliche Schriftstück in ihrer Hand und konnte nicht fassen, was sie da las. Ja, sie war die Tochter von Ilse Feldmann, geborene Kaludrigkeit, geboren 1926 in Königsberg in Ostpreußen – und sie hatte was? Eine Schwester, eher wohl eine Halbschwester, knapp nach dem Krieg geboren, also bevor ihre Mutter in den Westen Deutschlands gekarrt worden war und im Wirtschaftswunder Sybillas Vater kennengelernt und mit ihm eine Kleinfamilie gegründet hatte? Nun, ihre Mutter, die wenig über den Krieg gesprochen hatte, hatte zu ihren Erlebnissen in der Besatzungszeit noch hartnäckiger geschwiegen: „Wir haben uns gefühlt, als wären wir verdammt und müssten alles büßen, was der Hitler angerichtet hat. Es ist ein Wunder, dass so viele von uns irgendwie überlebt haben.“

Schaudernd begriff sie, wie grenzenlos allein ihre Mutter gewesen sein musste und wie verzweifelt. Sie war bei der Geburt noch minderjährig gewesen, ob man ihr das Kind weggenommen hatte oder ob sie es nicht hatte haben wollen? Ob sie überhaupt wusste, wer der Vater war, oder ob … Sybilla wollte das nicht weiterdenken.

Aber eines konnte sie machen, jetzt, sofort: Sie blickte auf die Adresse in ihrer Hand – Zweibrücken, wenigstens in Deutschland – und griff mutig zum Telefon. Als eine Frau mit einer älter klingenden Stimme abnahm, holte sie tief Luft: „Olga Petrowa … es könnte sein, dass wir Schwestern sind …“

 

2017_42.17_zwei_lz | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Für die abc.etüden, Woche 42.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Gerda Kazakou (gerdakazakou.com) und lauten: Zweibrücken, verdammt, grenzenlos.

Bin erst heute Nachmittag länger online, sorry.

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Knapp davongekommen | abc.etüden

Okay, okay, ich bin nachtragend, ich gebe es ja zu. Henry nennt das grenzenlos dumm, sauer auf die verdammte Katze zu sein, ich habe geschwiegen, um ihm nicht etwas an den Kopf zu knallen, woraufhin er drei Tage nicht mehr mit mir gesprochen hätte.
Nahtoderfahrung, Bindehautentzündung, schwersttraumatisiert, ha, Anton, blödes Biest! Mein heiß geliebtes Aquarium ist hin, und das nur, weil ich gutmütig war, und Henry tut so, als ob er nicht begreift, was mir das bedeutet hat und meint, dass ich mich nur künstlich aufrege! Typisch Mann, drückt sich vor Gefühlen und hält sich raus – ich möchte öffentlich dazu nichts anderes sagen, aber zu diesem Punkt könnte ich noch so einiges beisteuern.

Okay, der Kater hat daraufhin die Biege gemacht, was ich ihm auch geraten hätte, diesem Biest mit seinen roten Augen. Erst war er bei den Nachbarn und ich habe schon auf Horrorstories von drüben gewartet, aber dann ist er wohl von dort auch verschwunden. Jetzt schickt uns Henrys Ex-Frau die Kaffeekanne seiner verstorbenen Oma, säuberlich in jede Menge Zeitungspapier eingewickelt, und was lese ich? In Zweibrücken (und das ist ziemlich weit weg von hier, genauso wie seine Ex-Frau, zum Glück) gab es einen mysteriösen Todesfall mit einem abgetrennten Kopf, bei dem (un-)tote Katzen-DNA gefunden wurde!

Ich glaub, ich spinne, das ist doch nicht normal!

 

017_42.17_eins_lz | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Für die abc.etüden, Woche 42.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Gerda Kazakou (gerdakazakou.com) und lauten: Zweibrücken, verdammt, grenzenlos.

Wenn nichts geht (und ich habe gerade mal wieder zu wenig Zeit), dann geht immer noch eine vergnügte kleine Katzengeschichte, möge es Anton gut gehen, da, wo er jetzt ist!  🐱 🐱 🐱

 

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Schreibeinladung für die Textwoche 42.17 | Wortspende von Gerda Kazakou

Diese Woche, liebe Etüden-Fans, -Leser/innen und -Schreiber/innen, haben wir (fast) eine Premiere: zum zweiten Mal taucht ein Städtenamen in den Wörtern der Woche für die Etüden auf. Der erste, den es gab, war PRAG (Anfang Februar), wer schon so lange mitschreibt, wird sich vielleicht erinnern. Wer übrigens mal nachlesen möchte, welche Wörter es alle schon gab, der kann das hier tun.

Nun denn: Die Wörter für die Textwoche 42.17 stammen von Gerda Kazakou, Malerin und Schreiberin (gerdakazakou.com), die im schönen Griechenland lebt, und lauten:

verdammt
Zweibrücken
grenzenlos.

Es gibt immer noch neue Mitschreiber/innen, daher wiederhole ich die Regeln jedes Mal. Also, bitte diese 3 Wörter in maximal! 10! Sätzen unterbringen! Euren Beitrag verlinkt ihr dann bitte hierhin und/oder postet den Link unten in einen Kommentar (oder gleich die ganze Etüde, wenn ihr keinen Blog habt oder es bei euch nicht passt), damit eure Etüde auch ganz sicher von mir, von Gerda und von allen anderen Mitlesern/-schreibern gefunden werden kann.

Wie jede Woche erkläre ich auch heute wieder, dass auch diese Illustrationen von dem wertgeschätzten Herrn lz. stammen, dem Etüdenerfinder, der nach wie vor mit seiner Artpage unter ludwigzeidler.de zu finden ist. Danke, Ludwig!

017_42.17_eins_lz | 365tageasatzaday

2017_42.17_zwei_lz | 365tageasatzaday

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Budder bei die Fische | abc.etüden

„Lass doch deinen Kramladen mal hinter dir und lass uns was gemeinsam machen, für ein paar Tage, einfach so.“

Einfach so! Der so abschätzig titulierte „Laden“ war ein bekannter norddeutscher Publikumsverlag und er der stellvertretende Abteilungsleiter Presse. Sein Leben war Tag um Tag durchgeplant; einfach so ging da schon mal gar nichts. Leider war sie nicht damit zufriedenzustellen, sich mit ihm bei einem großen abendlichen Event, der Präsentation eines neuen Romans durch einen angesagten Bestsellerautor etwa, bei Mezze und Rotwein stilvoll zu verlustieren, wie alle Frauen wollte sie mehr, sie wollte Quality Time.

„Hör auf, von ‚emotionaler Resonanz‘ zu faseln, sei einfach. Mehr Verbindlichkeit, mehr Tun, weniger Gerede, du verstehst?“

Nicht wirklich, aber er verstand ein Ultimatum, wenn er eines hörte. Seine süße Traumfrau mit den schelmischen Augen und dem herzlichen Mund, deren pure Existenz in seinem Leben ihn seit Wochen lächelnd durch den übervollen Tag segeln ließ und die ihm in seine Träume folgte, die ihn sanft wie einen Bullen am Nasenring seiner uneingestandenen Sehnsüchte lenkte, sie würde verschwinden, wenn er sich nicht als fähig erwies, „Budder bei die Fische“ zu tun und zu sich selbst zu stehen.

Egal, wie er sich entschied: Wenn er ehrlich war, hatte er jetzt schon ziemlich Angst vor den Folgen …

 

lz abc.etueden schreibeinladung 1 gerdakazakou 22.17 | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler

 

Jaha, ich weiheiß, dass man Butter mit zwei t schreibt. Aber gesprochen, Freunde, gesprochen wird es nicht so, jedenfalls nicht, wenn sich der Hamburger an sich keine Mühe gibt. Dann ist das eine Sache mit einem dodderweichen d *gg*.
Und wer jetzt büschen mehr wissen will, warum man das hier oben so sacht, näch, der lese hier und hier.

Für die abc.etüden, Woche 22.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Gerda Kazakou (gerdakazakou.com) und lauten: verlustieren, Kramladen, Angst.

Nachdem ich erst mal davon abgekommen war, mich im Kramladen verlustieren zu wollen und Angst zu haben, dass mir dabei der Himmel auf den Kopf fällt, wusste ich, dass die nächste Etüde vom Grundton her freundlicher werden würde  ;-)

 

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Davongekommen | abc.etüden

„Willst, feines Mädchen, du mit mir gehn?“ Ihre Mama hatte ihr beigebracht, höflich zu Erwachsenen zu sein, aber der Mann brabbelte die ganze Zeit schon so merkwürdiges Zeug und guckte so komisch. „Ich gebe dir fünf Mark, ach was, ich gebe dir zehn Mark. Weißt du, was du dir für zehn Mark alles im Kramladen kaufen kannst?“

Zehn Mark war sehr viel mehr als ihr normales Taschengeld, so viel war sogar ihr klar, nur wusste sie nicht, warum er ihr das Geld schenken wollte, daher schwieg sie verwirrt.
„Aber damit wir uns verlustieren können, lass uns zu meinem Auto dort vorne gehen, ich muss dein Geld noch holen.“ Er hielt ihr einladend die Hand hin.

Sie sah misstrauisch zu ihm hoch; und plötzlich verwandelte sich sein freundliches Gesicht in eine grinsende Fratze und sein Arm sah aus, als hätte er lange Krallen am Ende statt Finger.
Da bekam sie Angst und schrie laut: „Nein, ich will nicht, ich will dein blödes Geld nicht, hau ab, du stinkst, ich will dich nie, nie, niemals wiedersehen!“
Als sie losrannte, konnte er sie nicht festhalten, und als sie sich umsah, kurz bevor sie in die Abkürzung zwischen den Gärten einbog, war der alte Mann verschwunden wie Rauch.

 

lz abc.etueden schreibeinladung 2 gerdakazakou 22.17 | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler

 

Wieder mal eine Geschichte von der Nachtseite, ja …

Für die abc.etüden, Woche 22.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Gerda Kazakou (gerdakazakou.com) und lauten: verlustieren, Kramladen, Angst.

 

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